ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Rheumatoide Arthritis: Retardiertes Corticoid gegen Morgensteife

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Rheumatoide Arthritis: Retardiertes Corticoid gegen Morgensteife

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-516

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Corticosteroide sind in der Therapie der rheumatoiden Arthritis als Brückenmedikation und Basistherapie unverzichtbar. Wird niedrig dosiertes Prednisolon zusätzlich zur Standardbehandlung frühzeitig eingesetzt, verzögert sich die Progression nachweislich. Durch die abendliche Gabe retardierter Zubereitungsformen könnte es gelingen, auch die typische Morgensteifigkeit und den morgendlichen Schmerz zu reduzieren.
Wie Prof. Erika Gromnica-Ihle (Berlin) ausführte, ist bei niedrig dosierter Corticoidgabe (7,5 oder 5 mg/die) das Risiko unerwünschter Wirkungen gering – Ängste sind daher nicht begründet. Bei Patienten im Anfangsstadium der Erkrankung ist für diese niedrigen Dosen als Zusatzmedikation im Vergleich zu Placebo eine deutlich verminderte Gelenkdestruktion für die Dauer von zwei Jahren nachgewiesen. Das praktische Problem ist allerdings, dass bei allen „Low-dose“-Therapieformen die Morgensteifigkeit und der morgendliche Schmerz den Rheumatiker immer noch wesentlich einschränken. Ursächlich ist die ungenügende Kontrolle der Entzündungsreaktionen während der zweiten Nachthälfte.
Verzögerte Gegensteuerung
Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis lassen sich bei einigen Leitzytokinen wie Interleukin-6 zehn- bis zwanzigfach höhere Serumspiegel nachweisen. Die Gegensteuerung des Körpers durch die Produktion von Steroidhormonen erfolge aber erst in den Morgenstunden, und damit verzögert, erklärte Prof. Rainer Straub (Regensburg).
Als Ausweg bieten sich bisher drei Möglichkeiten: eine höhere Dosierung der Corticoide, die jedoch mit Nebenwirkungen verbunden ist, oder eine hohe abendliche Dosierung, die nicht gerade schlaffördernd ist. Die naheliegende Alternative, die Steroide gegen zwei Uhr nachts einzunehmen, ist für die meisten Patienten wiederum nicht praktikabel. Die Lösung könnte eine galenische Zubereitung sein, bei der die Steroide verzögert freigesetzt werden.
Diese Form eines Corticoids wurde gemeinsam von Merck Pharma GmbH und der Nitec Pharma AG entwickelt: LodotraTM wird oral appliziert und setzt mit vier Stunden Zeitverzögerung den niedrig dosierten Wirkstoff frei. In einer Phase-III-Studie führte die Einnahme um 22 Uhr bereits nach zwei Wochen zu weniger Morgensteifigkeit und Schmerzen, verglichen mit der morgendlichen Prednisongabe.
Nach sieben Wochen waren diese Symptome um 30 bis 40 Prozent gebessert. Die Morgensteifigkeit wurde bei der zwölfwöchigen Untersuchung mit 288 Patienten in der Hälfte der Fälle um mindestens eine Stunde (oder ein Drittel) vermindert. Durch die Anpassung an den zirkadianen Rhythmus scheint damit bei rheumatoider Arthritis eine effektivere Therapie ohne Dosissteigerung möglich.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Fachpressegespräch „Corticoid-Therapie der rheumatoiden Arthritis: Effekte auf Pathomechanismus und zirkadianen Rhythmus“ in Frankfurt/Main, Veranstalter: Merck Pharma GmbH
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