ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Börsebius: Angst und Schrecken

GELDANLAGE

Börsebius: Angst und Schrecken

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-517 / B-453 / C-441

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Vor rund zwei Jahren rumpelte ein mittleres Erdbeben durch den grauen Kapitalmarkt und, so fürchte ich, nicht wenige Ärzte waren davon tangiert. Die Falk Capital AG in München, in Deutschland immerhin der viertgrößte Anbieter geschlossener Fonds, ging pleite. Knall auf Fall standen mehrere Tausend Anleger vor schwarzen Löchern, wurden von Falk doch rund 80 Projekte mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro aufgelegt.
Wer glaubte, mit den versprochenen Steuervorteilen und fantasievoll hochgerechneten Renditen seinen Schnitt zu machen, sah sich getäuscht. Wer damals wirklich verdiente, waren die Vermittler, denen großzügige Provisionen angedient wurden, und die Initiatoren, die ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht hatten. Dem gewinnhungrigen Investor jedenfalls oblagen am Ende nur noch herbe Verluste.
Das Drama ist indes nicht zu Ende. Der Insolvenzverwalter ist nämlich wild entschlossen, bei den Anlegern weiterhin Angst und Schrecken zu verbreiten. Josef Nachmann heißt der Mann, der für die Fonds Nr. 68 und 71 rund 2 300 Anleger anschreiben ließ. Sie müssen sämtliche bisher erhaltenen Ausschüttungen zurückzahlen, bei knapp 2 000 wurden bereits gerichtliche Verfahren angestrengt. Eine wahrhaft böse Überraschung für die Betroffenen.
Darf Insolvenzverwalter Nachmann so was überhaupt? Der Komplex ist zwar rechtlich kompliziert, aber es sieht so aus, dass die Nachforderung in Ordnung geht. Die Ausschüttungen sind eben nicht als Gewinnbeteiligung zu werten, sondern quasi als Entnahme von Einlagen, weil die Fonds auch damals schon Verluste gemacht hätten. Und die können ohne Weiteres zurückgefordert werden.
Dieses Horrorszenario der Rückholung gilt aber nicht für alle Falk Fonds. Die Nummern 70 und 72 sowie 73 und 75 wurden gerettet, der Fonds Nr. 80 ist bereits aufgelöst, während sich Falk 77 noch in der Insolvenz befindet. Rund 20 andere Fonds sind ebenfalls gefährdet.
Für die Betroffenen bleibt (theoretisch) noch die Möglichkeit, gegen die Initiatoren und Vermittler Schadensersatzansprüche zu stellen. Auf die Idee sind aber schon viele andere gekommen. Persönlich würde ich von einem derartigen Vorgehen eher Abstand nehmen, meistens wird hier nur gutes Geld dem schlechten hinterhergeworfen. Ein Vollstreckungstitel bringt mir, wenn beim anderen nichts zu holen ist, außer Frust gar nichts. Abhaken, unter Lebenserfahrung abbuchen ist die angemessene Reaktion.


Börsebius-Telefonberatung
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 3. März 2007 von 16 bis 20 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose telefonische Beratung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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