ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007Off-Pump-Operation verhindert kognitive Probleme nicht

AKTUELL: Akut

Off-Pump-Operation verhindert kognitive Probleme nicht

Dtsch Arztebl 2007; 104(9): A-526 / B-462 / C-450

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Bypass-Chirurgie ohne Herz-Lungen-Maschine (Off-pump-Technik) kann die kognitiven Probleme, die viele Patienten nach der Operation entwickeln, nicht verhindern. Dies geht aus der Nachbeobachtung einer randomisierten kontrollierten Studie hervor, die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 701–708) publiziert wurde. Kognitive Probleme sind nach Bypass-Operationen keine Seltenheit. Die Ursache ist unklar; man vermutete jedoch, dass über die Herz-Lungen-Maschine atherogenes Material in die Hirngefäße embolisiert wird. Die Folge wären multiple kleine Hirninfarkte, die in der Summe für die kognitiven Probleme verantwortlich wären. Dies war ein Grund, die Off-pump-Technik zu propagieren, bei der die Operation am schlagenden Herzen vorgenommen wird. Doch die Hoffnung, dass die Off-pump-Operation kognitive Probleme vermeidet, hat sich in der Octopus-Studie nicht erfüllt. An dieser Studie beteiligten sich an drei Zentren in den Niederlanden zwischen 1988 und 2000 281 Patienten. Fünf Jahre nach der Operation waren noch 260 Patienten am Leben. Diederik van Dijk von der Universität Utrecht und Mitarbeiter konnten die meisten neuropsychologisch untersuchen. Ihre Ergebnisse dokumentieren das Ausmaß des Problems.

Anästhesie oder Entzündung als Auslöser?
Unter der Standarddefinition (Rückgang um 20 Prozent in 20 Prozent der Hauptvariablen der Tests) hatte jeder zweite Patient einen Abfall der kognitiven Leistung. Dabei spielte es keinerlei Rolle, ob die Patienten mit Herz-Lungen-Maschine oder off pump operiert worden waren. Auch unter einer zurückhaltenden Definition der kognitiven Probleme wurde – in beiden Gruppen – bei jedem dritten Patienten ein Abfall der kognitiven Leistung festgestellt. In anderen Endpunkten (kardiovaskuläre Ereignisse oder Angina) gab es ebenfalls keinerlei Unterschiede, sodass sich die Frage stellt, welche Vorteile die Off-pump-Operation überhaupt hat. Zum anderen bleibt die Ursache der kognitiven Probleme unklar. Van Dijk hält es für möglich, dass anästhesiologische Probleme oder eine „generelle entzündliche Reaktion“ während der Operation die Auslöser sind. Nicht gänzlich ausgeschlossen sei, dass die normale Alterung der Patienten die Ursache des kognitiven Abfalls ist. Das Durchschnittsalter der Patienten lag zwar bei der Operation nur knapp über 60 Jahre, aber die Koronarsklerose ist Teil einer allgemeinen Atherosklerose, die auch die zerebralen Gefäße einschließt. Rüdiger Meyer
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