ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007Belegärzte: Mehr Geld und eigenes EBM-Kapitel

POLITIK

Belegärzte: Mehr Geld und eigenes EBM-Kapitel

Dtsch Arztebl 2007; 104(9): A-527 / B-463 / C-451

Rabbata, Samir

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Schnittstelle zwischen Krankenhaus und Praxis – das Belegarztsystem stärkt die sektorübergreifende Versorgung.
Schnittstelle zwischen Krankenhaus und Praxis – das Belegarztsystem stärkt die sektorübergreifende Versorgung.
Rund 25 Prozent mehr Honorar soll es künftig für belegärztliche Leistungen geben. Damit ist die von Union und SPD geplante Ausgliederung des Belegarztwesens aus der vertragsärztlichen Versorgung vorerst vom Tisch.

Die rund 6 500 Belegärzte in Deutschland können aufatmen. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen haben sich im gemeinsamen Bewertungsausschuss darauf geeinigt, für belegärztliche Leistungen künftig rund 74 Millionen Euro mehr im Jahr zur Verfügung zu stellen. Dies entspricht einem Honorarzuwachs von rund 25 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Andreas Köhler, kündigte zudem an, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) vom 1. April 2007 an um ein eigenständiges Belegarztkapitel 36 ergänzt wird. „Durch Strukturpauschalen werden in dem neuen Kapitel die Besonderheiten der belegärztlichen Leistung besser berücksichtigt“, versprach er. Noch wichtiger aber ist für die Belegärzte, dass ihre Leistungen künftig außerhalb der budgetierten Gesamtvergütung finanziert werden sollen.
Die Integrationsrolle der Belegärzte wird gestärkt
Damit dürfte sich die angespannte wirtschaftliche Situation vieler Belegärzte, Belegkliniken und Belegabteilungen spürbar bessern. Seit Einführung des EBM 2000plus klagen sie über zum Teil massive Einnahmeverluste. Der Grund: Etliche Daten zur Kalkulation belegärztlicher Leistungen im neuen EBM stammen aus dem ambulanten Bereich, weshalb aufwendige Leistungen und Kombinationseingriffe zu gering bewertet wurden. Unberücksichtigt blieben auch die Abschaffung des AiP-Status in den Assistenzbewertungen für operative Leistungen sowie die Folgekosten des EuGH-Urteils zur Bewertung ärztlicher Bereitschaftsdienste.
Vor diesem Hintergrund ist Dr. med. Klaus Schalkhäuser, Vorsitzender des Bundesverbandes der Belegärzte (BdB), mit dem Beschluss des Bewertungsausschusses zufrieden: „Damit wurden die Voraussetzungen für eine leistungsgerechtere Vergütung der Belegärzte und deren Verbleib im Kollektivvertragssystem geschaffen. Die bewährte Integrationsrolle der belegärztlichen Versorgung zwischen dem ambulanten und stationären Sektor wird gestärkt.“
Neben der Neuregelung im EBM sieht Schalkhäuser die außerbudgetäre Vergütung belegärztlicher Leistungen als großen Schritt nach vorne. Aus seiner Sicht wird dadurch den regionalen Unterschieden bei der Vergütung entgegengewirkt. Denn in der Vergangenheit sei es wegen unterschiedlicher Honorarverteilungsverträge bundesweit zu einem „Süd-Nord-Gefälle“ bei der Vergütung gekommen, berichtet der BdB-Vorsitzende.
Während sich die Lage in Bayern und Baden-Württemberg weniger dramatisch entwickelte, sei der Punktwert in Niedersachsen deutlich gefallen. Dort beklagten Belegärzte seit Einführung des neuen EBM Verluste von bis zu 40 Prozent. Im Vorfeld der Verhandlungen zwischen KBV und Kassen im gemeinsamen Bewertungsausschuss hatte Schalkhäuser gewarnt, dass durch die chronische Unterfinanzierung „die Existenz des kostengünstigen Belegarztsystems zur Disposition“ gestellt werde. Manche seiner Kollegen sähen sich in Zukunft lieber als Teil der stationären Versorgung.
Auch Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen, belegärztliche Leistungen dem DRG-System zuzuordnen. Deshalb sei „die belegärztliche Vergütung künftig nicht mehr aus der vertragsärztlichen Gesamtvergütung zu erbringen“, bekräftigte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium Anfang vergangenen Jahres in einem Schreiben an BdB-Chef Schalkhäuser. Doch mit ihrem Beschluss kommen KBV und Kassen der Vorgabe des Gesetzgebers nach, die „Besonderheiten der belegärztlichen Tätigkeit zu berücksichtigen“ und für „leistungsgerechte Entgelte“ zu sorgen (§ 121, SGB V). Damit dürfte vorerst auch die geplante Ausgliederung des Belegarztwesens aus der vertragsärztlichen Versorgung vom Tisch sein.
Schalkhäuser stellt aber klar, dass nun die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Pflicht seien, für eine zügige Umsetzung der Bundesempfehlung zu sorgen. Es müsse sichergestellt werden, dass das zusätzliche Geld auch tatsächlich bei den betreffenden Ärzten ankommt. Samir Rabbata
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