ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007Telemedizin-Studie: Mehr Sicherheit, weniger Kosten

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Telemedizin-Studie: Mehr Sicherheit, weniger Kosten

Dtsch Arztebl 2007; 104(9): A-546 / B-479 / C-463

Krüger-Brand, Heike E.

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Telemonitoring bedeutet für viele chronisch herzkranke Patienten einen Gewinn an Sicherheit und damit an Lebensqualität. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Telemonitoring bedeutet für viele chronisch herzkranke Patienten einen Gewinn an Sicherheit und damit an Lebensqualität. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Telemonitoring im heimischen Umfeld in den ersten sechs Monaten nach der Behandlung bringt Vorteile.

Patienten mit schwerer chronischer Herzinsuffizienz, die telemedizinisch zu Hause überwacht werden, verständigen seltener den Notarzt und müssen auch weniger häufig ins Krankenhaus aufgenommen werden. Dadurch lassen sich die Behandlungskosten für einen Patienten um rund 3 000 Euro jährlich senken. Die Patienten fühlen sich zudem sicherer und nehmen zuverlässiger ihre Medikamente ein. Dies ergab eine Studie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (www.kli nikum.uni-heidelberg.de). Aufgrund dieser positiven Ergebnisse haben das Universitätsklinikum und die AOK Baden-Württemberg im Rahmen der integrierten Versorgung einen Vertrag zur telemedizinischen Betreuung von herzkranken Patienten (Projekt „HeiTel“) geschlossen. Gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten wird ein kontinuierliches Monitoring im ersten Halbjahr der Behandlung zu Hause gewährleistet.
Die telemedizinische Betreuung ist ein Zusatzangebot, das den Patienten in seine eigene Behandlung stärker einbinden soll: Die Patienten erhalten von der Firma Personal HealthCare Telemedicine Services, Düsseldorf, Messgeräte, über die sie täglich ihren Blutdruck und Puls, ihr Körpergewicht und ein EKG an ein telemedizinisches Zentrum weiterleiten. Zur kostenfreien telefonischen Datenübertragung legt der Patient einen Gürtel mit dem tragbaren Messgerät an. Die biometrischen Daten werden im Zentrum, das rund um die Uhr mit einem Arzt besetzt ist, kontrolliert und anhand einer elektronischen Patientenakte mit individuell festgelegten Grenzwerten verglichen. Deutet sich ein kritischer Zustand an, kontaktiert der Arzt den Patienten telefonisch, um durch eine frühzeitige Intervention eine erneute stationäre Einweisung zu verhindern. Bei Bedarf werden auch der Hausarzt und die Universitätsklinik hinzugezogen. Letztere ist für die Patienten außerdem über ein „telemedizinisches Sorgentelefon“ stets zu erreichen.
Nach den bisherigen Erfahrungen mit rund 480 Patienten war nur bei zwei Prozent der kritischen Meldungen wegen Über- oder Unterschreitens von Grenzwerten bei Körpergewicht, Blutdruck und Sauerstoffsättigung eine Behandlung erforderlich; in zwei von 93 notfallmäßigen Situationen musste der Notarzt gerufen werden. Viele Patienten gaben auf Befragung an, dass sie ohne die telemedizinische Unterstützung wesentlich häufiger ärztliche Hilfe gesucht hätten. Betroffen von der chronischen Erkrankung sind rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. Im fortgeschrittenen Stadium sterben rund 40 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres. Die Behandlungskosten herzinsuffizienter Patienten beziffern Experten auf circa fünf bis zehn Milliarden Euro jährlich.
Heike E. Krüger-Brand
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