ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007Paul Erwin Odenbach †: Weltoffener Berufspolitiker

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Paul Erwin Odenbach †: Weltoffener Berufspolitiker

Dtsch Arztebl 2007; 104(9): A-588 / B-518 / C-499

Jachertz, Norbert

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Paul Erwin Odenbach. Foto: privat
Paul Erwin Odenbach.
Foto: privat
Wer mit Erwin Odenbach zusammenkam, wurde sogleich ins Gespräch gezogen. Das konnte die Berufspolitik oder die Tarifpolitik des Marburger Bundes im Speziellen sein. Das konnte aber auch die Integration ausländischer Mitbürger (Odenbach war liberal und weltoffen) oder den Schwangerschaftsabbruch (er war wertkonservativ und ausgeprägt katholisch) betreffen. Er wusste freilich genau so kenntnisreich und immer unterhaltsam über den schweizerischen Nationalcharakter oder die kaiserlich-königliche Eisenbahnlinie von Triest nach Wien zu erzählen.
Dr. med. Paul Erwin Odenbach, dieser beredte und umfassend gebildete Vertreter der Ärzteschaft, ist am 10. Februar 2007 in Köln gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. Odenbach wurde am 13. August 1924 in Den Haag geboren. Dort wuchs er zweisprachig auf, mit Deutsch und Niederländisch. Hinzu traten Französisch, Englisch und später auch Italienisch. Ab 1947 studierte Odenbach in Heidelberg und Köln Medizin und bildete sich unter Werner Scheid in der Kölner Nervenklinik zum Neurologen und Psychiater weiter. Das Staatsexamen legte er 1955 ab. Die Promotion folgte erst 1961, denn schon der junge Odenbach war viel beschäftigt. Während des Studiums engagierte er sich als Studentenvertreter, vom Kölner AStA bis zum Weltverband der Medizinstudenten. Für den Malteserhilfsdienst versorgte er 1956 in Eisenstadt Ungarnflüchtlinge, für die Liga der Rotkreuzgesellschaften 1960/61 in Marokko Patienten, die mit Motorenöl vergiftet waren.
Der Marburger Bund, dem er seit der Approbation angehörte, wurde Odenbachs berufspolitische Heimat, das private Zuhause blieb lange das Elternhaus. Zur Gründung einer eigenen Familie kam er erst in reiferen Jahren. Der MB und die Kammer Nordrhein (um nur diese zu nennen) und der Hauptberuf als Nervenarzt in der Kölner Klinik hielten ihn rastlos in Bewegung. Irgendwie schaffte er es trotzdem, ein großes Lektürepensum zu bewältigen und sogar seiner Liebhaberei, dem Modellbahnbau, nachzugehen.
Von 1966 bis 1975 war Dr. Odenbach Vorsitzender des Marburger Bundes und zugleich (1967 bis 1975) Vorstandsmitglied der Bundes­ärzte­kammer. 1975 wechselte er aus dem Ehrenamt ins Hauptamt und wurde Geschäftsführender Arzt der Bundes­ärzte­kammer und mit der auf ihn zugeschnittenen Abteilung für Fortbildung und Wissenschaft betraut. 1989 half Odenbach der Bundes­ärzte­kammer eine Vakanz zu überbrücken und sich zur Krönung seiner Karriere, als er, der bereits 65 war, für neun Monate als Hauptgeschäftsführer amtierte.
In der organisierten Fortbildung gelang es zu Odenbachs Zeiten, die internationalen Kongresse für einige Jahre zu stabilisieren. Doch die Kongresse bröckelten. Neu hinzu kam das bis heute renommierte „Forum“ der Bundes­ärzte­kammer.
Erwin Odenbachs Stärke war das Gespräch, im kleinen Kreis oder in einer der vielen Kommissionen, denen er oft über Jahre angehörte. So vor allem in den 80er-Jahren die interministerielle Arbeitsgruppe „In-vitro-Fertilisation, Genomanalyse und Gentherapie“, die Enquete-Kommission des Bundestages „Chancen und Risiken der Gentechnologie“ und ein Beratergremium der Bundesregierung zur psychiatrischen und psychotherapeutisch-psychosomatischen Versorgung. Odenbach kamen dabei stets seine umfassende Bildung und nicht zuletzt eine schon fast altmodische Höflichkeit zugute.
Dr. Odenbach wurde oft ausgezeichnet, im In- und Ausland, weltlich und kirchlich. Die deutsche Ärzteschaft ehrte ihn 1994 mit der Paracelsus-Medaille. NJ
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