ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007„Die Aufschneider“: Klischees, Klamauk und platter Schluss

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„Die Aufschneider“: Klischees, Klamauk und platter Schluss

Tuffs, Annette

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Foto: Razor Film/3L
Foto: Razor Film/3L
Trotz Slapsticks und Realitätsferne – in vielen Szenen ist der Film durchaus unterhaltsam.

Man hätte sie sich gewünscht, die Satire über unsere Kliniken: Da gäbe es vielleicht Ärzte, die vor lauter Formularen ihre Patienten nicht mehr kennen, Krankenschwestern, die zum wenig fürsorglichen Patientenmanager mutieren, und Klinikleiter, die sich schon mal mit den Spielregeln der Börse vertraut machen.
Stattdessen bietet der deutsche Film „Die Aufschneider“ – seit 9. Februar in den Kinos – eine Menge Klischees, Klamauk und den platten Schluss, dass am Ende doch das Gute siegt. Obwohl vollmundig angekündigt als Satire zum aktuellen Geschehen, wird scharfsinniger Witz, der das deutsche Krankenhauswesen seziert, vermisst.
Das Szenario kommt zunächst jedem Kenner der deutschen Krankenhauslandschaft bekannt vor: Zwei benachbarte Kliniken kämpfen – gegeneinander – ums Überleben. Die Trümpfe liegen eindeutig bei der hochmodernen, aber unpersönlichen Klinik. Das marode, aber menschliche Krankenhaus nebenan erscheint schon als sicherer Verlierer. Wenn es da nicht die Machenschaften des Chefs der Top-Klinik gäbe, die allein aufgrund der Tollpatschigkeit seiner Gegenspieler ans Licht kommen.
Ausgangspunkt dieser Aufklärungsarbeit wider Willen ist die fatale Verwechslung eines Spenderorgans mit einem Einkauf beim Metzger. Die Leber landet nun nicht beim kranken Empfänger, sondern in der Bratpfanne. (Über den Geschmack dieses Humors lässt sich streiten!)
Diese Ärzte kennen keine Grenzen (oben): Dr. Christiane Tietz (Nina Kronjäger), Prof. Reinhold Radwanski (Christoph Maria Herbst), Dr. Steffen Wesemann (Carsten Strauch), Dr. Klaus Kunze (Rainer Ewerrien) und Schwester Sylvia (Cosma Shiva Hagen)
Diese Ärzte kennen keine Grenzen (oben): Dr. Christiane Tietz (Nina Kronjäger), Prof. Reinhold Radwanski (Christoph Maria Herbst), Dr. Steffen Wesemann (Carsten Strauch), Dr. Klaus Kunze (Rainer Ewerrien) und Schwester Sylvia (Cosma Shiva Hagen)
Auf jeden Fall geht die Rechnung des eiskalten Klinikchefs – Bestechung eines Entscheidungsträgers durch eine neue Leber – nicht auf. Die Konkurrenz im anderen Krankenhaus wäre mit dem Wellness-programm eines Animateurs, des Schwagers des liebenswerten hilflosen Klinikchefs, ebenso wenig erfolgreich, wenn sie sich nicht als moralischer Sieger erwiese.
Trotz Slapstick und Realitätsferne – in vielen Szenen ist der Film durchaus unterhaltsam. Auch wenn Drehbuch, Kamera und Schnitt über die 70er-Jahre nicht wesentlich hinausgekommen sind, können doch die komödiantischen und schauspielerischen Leistungen des Ensembles oft überzeugen.
Carsten Strauch, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion, gibt immer wieder überzeugend den zögerlichen Assistenzarzt. Sein Gegenspieler ist Christoph Maria Herbst, die Karikatur eines eiskalten Chefs. Die freundliche Krankenschwester Cosma Shiva Hagen und die ehrgeizige Nina Kronjäger sind die weiblichen Antipoden. Rheinischen Frohsinn verbreitet Josef Ostendorf; als Animateur setzt er auf Frohsinn und Fernweh als Marketinggags.
Am Ende aber bleibt dem befangenen, weil mit den Beschwerlichkeiten des Klinikalltags vertrauten Zuschauer das Gefühl, dass ein Thema verfehlt, aber doch leidlich für gute Unterhaltung gesorgt wurde. Annette Tuffs
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