ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2007Rechtsreport: Risikoaufklärung durch den nachgeordneten Arzt

RECHTSREPORT

Rechtsreport: Risikoaufklärung durch den nachgeordneten Arzt

Dtsch Arztebl 2007; 104(9): A-603 / B-531 / C-511

Berner, Barbara

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LNSLNS Überträgt ein Operateur die Aufklärung eines Patienten einem nachgeordneten Arzt, muss er die ordnungsgemäße Umsetzung sicherstellen und dies in einem Arzthaftungsprozess gegebenenfalls darlegen können. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.
Danach muss der delegierende Chefarzt darlegen können, ob er sich etwa in einem Gespräch mit dem Patienten über dessen ordnungsgemäße Aufklärung informiert hat und/oder durch einen Blick in die Krankenakte vom Vorhandensein einer vom Patienten und vom aufklärenden Arzt unterzeichneten Einverständniserklärung. Ziel muss es sein, sich zu vergewissern, dass eine für einen medizinischen Laien verständliche Aufklärung unter Hinweis auf die spezifischen Risiken des vorgesehenen Eingriffs erfolgt ist. Dies ist erst recht zu verlangen, wenn der operierende Chefarzt Vorgesetzter des aufklärenden Arztes ist und diesem gegenüber überwachungspflichtig und weisungsbefugt.
Im vorliegenden Fall hatte der Stationsarzt zwei Aufklärungsgespräche mit der Klägerin geführt, die der Chefarzt anschließend operierte. Dabei handelte es sich um eine – trotz langjähriger Berufserfahrung – noch nie vorgenommene Operation. Unterlagen, wonach sich der operierende Chefarzt von der ordnungsgemäßen Aufklärung überzeugt hatte, fehlten.
Zwar ist es nach Auffassung des Gerichts grundsätzlich nicht geboten, dass bei schwierigen und seltenen Eingriffen die Risikoaufklärung nur von dem Operateur selbst vorgenommen werden muss. Es ist jedoch erforderlich, dass dann eine spezielle Aufklärungsanweisung existiert. Jedenfalls ist zu gewährleisten, dass sich der Operateur zum Beispiel in einem Vorgespräch mit dem aufklärenden Arzt vergewissert, dass dieser den Eingriff in seiner Gesamtheit erfasst hat und dem Patienten die erforderlichen Entscheidungshilfen geben konnte. Nur wenn dies sichergestellt ist und überwacht wird, darf sich der operierende Chefarzt darauf verlassen. (Urteil vom 7. November 2006, Az.: VI ZR 206/05)
RA Barbara Berner
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