ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Zweifel an der positiven Wirkung von Vitaminen

AKTUELL: Akut

Zweifel an der positiven Wirkung von Vitaminen

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-610 / B-538 / C-518

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine Meta-Analyse dänischer Epidemiologen dürfte jene zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung irritieren, die regelmäßig Vitaminsupplemente einnimmt, in der Hoffnung auf anhaltende Gesundheit und ein langes Leben. Nach der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 842–57) erhöhen vor allem Vitamin A, Betacaroten und Vitamin E die Sterblichkeit. Selbst für Vitamin C lasse sich eine nachteilige Wirkung nicht ausschließen, heißt es in der Studie.
Qualitativ hochwertige Studien
Die Wirkung von antioxidativen Vitaminen auf die Gesundheit ist nach Goran Bjelakovic vom Center for Clinical Intervention Research an der Universität Kopenhagen sehr gut untersucht. 68 Studien mit 232 606 Teilnehmern konnten die Epidemiologen ausfindig machen. Vielfach handelte es sich um qualitativ hochwertige Studien. In 47 Studien mit 180 938 Teilnehmern waren Randomisierung, Verblindung und Nachbeobachtung so gut, dass Bjelakovic sie als unverzerrte „Low-bias“-Studien einstufte. Gerade in diesen deuten die Ergebnisse auf eine schädigende Wirkung der antioxidativen Vitamine hin. Dazu zählten die Forscher Vitamin A, C und E sowie Betacaroten und das Spurenelement Selen.
Wenn die Vitamine – wie in Supplementen häufig – in weit über den natürlichen Bedarf hinausgehenden Mengen zugeführt werden, erhöhten sie das Sterberisiko. Für die Gesamtgruppe errechnen die Meta-Analytiker ein relatives Risiko von 1,05 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02–1,08), also einen Anstieg um fünf Prozent. Das ist für das Individuum nicht viel. Wenn man aber bedenkt, dass in Nordamerika und Europa 80 bis 160 Millionen Menschen regelmäßig Vitamine einnehmen, könnte die schädliche Wirkung doch beträchtlich sein. Für die einzelnen Substanzen (nach Ausschluss von Selen) kommen Bjelakovic und Mitarbeiter zu einem relativen Risiko von 1,07 (1,02–1,11) für Betacaroten, von 1,16 (1,10–1,24) für Vitamin A und von 1,04 (1,01–1,07) für Vitamin E. Alle relativen Risiken waren signifikant. Für Vitamin C wurde ein nicht signifikanter Anstieg des Sterberisikos um sechs Prozent (relatives Risiko 1,06; 0,94–1,20), für Selen ein nicht signifikanter Rückgang des Sterberisikos um zehn Prozent (relatives Risiko 0,90; 0,80–1,02) gefunden. Damit, so die Autoren, könne für Vitamin C eine negative Wirkung auf die Gesundheit nicht ausgeschlossen werden; die möglicherweise positive Wirkung von Selen müsse weiter untersucht werden. Rüdiger Meyer
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