ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Finanzentwicklung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung: Arzneimittel-Sparpaket stabilisiert Kassenfinanzen

POLITIK

Finanzentwicklung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung: Arzneimittel-Sparpaket stabilisiert Kassenfinanzen

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-611 / B-539 / C-519

Rabbata, Samir

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LNSLNS Die GKV hat nach Angaben des Bundesgesundheitministeriums 2006 einen Milliardenüberschuss erwirtschaftet. Vertragsärzte im Osten konnten ein deutliches Honorarplus verzeichnen.

Drei Jahre vor Inkrafttreten des geplanten Gesundheitsfonds hat sich die Finanzlage der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) entspannt. So schlossen die Kassen das vergangene Jahr mit einem Überschuss von mehr als 1,7 Milliarden Euro ab. Dies geht aus dem vorläufigen GKV-Finanzergebnis für 2006 hervor. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) sieht damit die Voraussetzung geschaffen, dass die Kassen schuldenfrei in den Fonds starten können. „Die positive Entwicklung entlarvt die Schwarzmalerei der Kassen als substanzlos“, sagte die Ministerin. Insgesamt habe sich die Nettoverschuldung der Kassen von 400 Millionen Euro Ende 2005 in einen Vermögensbestand von heute 1,3 Milliarden Euro gewandelt.
Honorare steigen im Osten dreimal stärker als im Westen
Moderate Ausgabenzuwächse verbuchten die Kassen unter anderem bei den Kosten für die stationäre Versorgung (plus drei Milliarden Euro) sowie bei den Honoraren für Vertragsärzte. So stiegen die GKV-Einnahmen ostdeutscher Vertragsärzte um 6,6 Prozent auf insgesamt knapp 3,2 Milliarden Euro. Damit fiel ihr Honorarplus dreimal so stark aus wie das ihrer Kollegen im Westen (2,2 Prozent). Möglich machte dies eine Regelung im Gesundheitsmodernisierungsgesetz, die eine Erhöhung der ärztlichen Gesamtvergütung um 3,8 Prozent in den Jahren 2004 bis 2006 zusätzlich zu den an der Grundlohnsumme orientierten Steigerungsraten vorsah.
Dennoch erhalten ostdeutsche Ärzte pro Kassenmitglied nur 85 Prozent dessen, was Ärzte im Westen bekommen. Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Ralf Herre, wies zudem auf den höheren Arbeitsaufwand ostdeutscher Ärzte hin. Grund hierfür sei die geringe Ärztedichte in ländlichen Gebieten und die höhere Morbidität in den neuen Ländern. Dafür spricht auch, dass die Medikamentenausgaben in den neuen Ländern mit 2,7 Prozent je Kassenmitglied stärker gestiegen sind als im Westen (1,6 Prozent). Insgesamt gehören die Arzneimittelausgaben jedoch zu den größten Einsparposten für die GKV.
Hauptgrund dafür ist das im vergangenen Jahr in Kraft getretene Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz. Im ersten Quartal 2006, also noch vor dem Start des Sparpakets, lag der Zuwachs bei mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zum Jahresende erreichte der Kostenanstieg für Medikamente nur noch 1,8 Prozent. Gemessen an den Gesamtausgaben der GKV, macht der Arzneimittelbereich aber immer noch 17,53 Prozent aus und liegt damit höher als der Anteil für ärztliche Behandlung (Grafik).
Zur Verbesserung der Kassenfinanzen beigetragen haben auch die seit 2006 steigenden Beschäftigungszahlen. Für das laufende Jahr sehen Kassenvertreter wegen der höheren Mehrwertsteuer und Kostensteigerungen bei Arzneimitteln jedoch größere Belastungen auf die GKV zukommen. Beitragssatzerhöhungen, die viele Kassen zum Jahreswechsel vorgenommen haben, sollen deshalb nicht rückgängig gemacht werden.
Tatsächlich ist es für eine Entwarnung noch zu früh. So weisen aktuelle Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände für Januar 2007 einen erneuten Ausgabenanstieg für Medikamente von 4,6 Prozent aus. Mitverantwortlich hierfür sei die Erhöhung der Mehrwertsteuer, so die Apotheker.
Samir Rabbata
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