ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Krankenhäuser: Es gibt Gewinner
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
. . . Die G-DRGs sind – nach der Krankenhausrealität in Deutschland ermittelte – „Durchschnittspreise“. Im Vergleich zur früheren Krankenhausfinanzierung gibt es unter den Krankenhäusern also „Gewinner“ und „Verlierer“. Merkwürdigerweise hört und liest man nie etwas von den „Gewinnern“. Doch wenn viele Krankenhäuser mit ihren Pauschalen für vergleichbare Fallarten auskommen oder damit gar einen satten Gewinn machen, müssten auch die „Verlierer“ damit zurechtkommen. Wenn sie ihre bisherigen Gepflogenheiten, Prozesse und Strukturen wirklich änderten. Das scheint leider kaum zu geschehen. Zum einen betreiben viele Krankenhäuser eine „wundersame Geldvermehrung“, indem sie einfach den Leistungsumfang von G-DRGs kürzen. Darüber wissen Niedergelassene und Reha-kliniken ein Lied zu singen. Zum anderen streichen vor allem die „Verlierer“ unter den Krankenhäusern Stellen, ohne den klinischen Betrieb darauf anzupassen (nachdem sie z. B. bei den „Gewinnern“ nachgesehen haben, was die denn anders machen). Bei all dem bleibt nahezu völlig im Dunklen, welche Qualität die deutschen Krankenhäuser denn nun konkret bieten. Dass es gravierende Qualitätsunterschiede gibt, hat die BQS mittlerweile (schon bei den wenigen Vergleichen, auf die man sie bisher politisch beschränkt) aufs Eindrucksvollste nachweisen können – nur leider anonym. Von den 169 Qualitätszielen haben 2005 beispielsweise nur 21 Prozent das BQS-Qualitätsziel voll und zehn Prozent gar nicht erreicht. Vielleicht sind die teureren Krankenhäuser ja auch noch schlechter? In Deutschland ist (im Unterschied zu den USA) sträflich unterblieben, mit der Umstellung auf DRGs auch deren Qualität und Mindestleistungsumfang festzuschreiben und Kontrollmechanismen dafür einzuführen. Was heute an hanebüchenen innerklinischen Entwicklungen „hochkocht“, hat mit dem Ansatz der DRGs kaum und mit zu wenig Geld schon gar nichts zu tun. Eher mit einem hilflosen Umgang mit notwendigen Veränderungen in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen insgesamt. Dazu muss in den Institutionen des drittteuersten Gesundheitswesens der Welt auch keineswegs an der Humanität „gespart“ werden. Nicht bei den Patienten und nicht bei den dort Tätigen. Auch nicht an deren Aus-, Fort- und Weiterbildung . . .
Prof. Dr. Rolf Hildebrand, Nestorstraße 11,
10709 Berlin
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige