ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Patientensicherheit, Arzthaftung, Praxis- und Krankenhausorganisation

MEDIEN

Patientensicherheit, Arzthaftung, Praxis- und Krankenhausorganisation

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-642 / B-566 / C-542

Berg, Dietrich; Ulsenheimer, Klaus

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Medizinrecht: Hilfestellung zur Risikoverminderung

In den letzten Jahren kommt forensischen Aspekten sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung zunehmende Bedeutung zu. Das Buch verfolgt zwei Ziele: Einerseits soll die Sicherheit des Patienten optimiert werden, andererseits dem Arzt Hilfestellung gegeben werden, Risiken zu vermindern. Bei den Autoren und Herausgebern handelt es sich um außerordentlich erfahrene Kliniker und mit Medizinrecht, Arzthaftung, Praxis- beziehungsweise Krankenhausorganisation besonders vertraute Juristen. Jedes der 19 Kapitel ist sowohl für den Kliniker als auch für den Niedergelassenen von besonderer Bedeutung. Einleitend wird auf die Arzthaftung und das Strafrecht eingegangen. Interessant ist die Übersicht zur Schadensstatistik mit typischer Zunahme der Schadenfallentwicklung.
Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement stehen im Vordergrund der nachfolgenden Kapitel, wobei eindrucksvoll dargelegt wird, welche Bedeutung ein funktionierendes Risk-Management hat. Die hilfreiche Irrtumsanalyse, übernommen aus der Luftfahrt als Critical Incident Reporting (CIR), stellt ein hilfreiches Instrument zur Fehleranalyse dar. Ärztlicher Personaleinsatz in Krankenhaus und Praxis, Einarbeitung und notwendige Fortbildung sowie eindeutig zu regelnde Aspekte einer interdisziplinären ärztlichen Zusammenarbeit sind Themen nachfolgender Kapitel. Auf die Dringlichkeit klarer Dienstanweisungen, die Kompetenzen festlegen, wird bei der Zusammenarbeit von zwei Berufsgruppen hingewiesen. Weitere Themen sind Risikominimierung und die häufig nicht ausreichend berücksichtigten Aspekte von Aufklärung und Dokumentation. Außerordentlich hilfreich ist der Beitrag zum Vorgehen bei Eintreten eines Zwischenfalls. Dieser Beitrag entspricht sozusagen einem „Notfallkoffer“ zur Bewältigung juristischer Konsequenzen nach Behandlungskomplikationen. Im Weiteren findet sich der sehr lesenswerte Beitrag zur handlungsrechtlichen Relevanz medizinischer Leitlinien.
Im abschließenden Kapitel wird auf das in der Medizin schwierige Verhältnis zwischen knapper werdenden finanziellen Ressourcen und medizinisch notwendigem Standard beziehungsweise optimierter Organisation aufmerksam gemacht. Nicht unerwähnt bleibt die Schulung ärztlicher Gutachter, die viel mehr als bisher Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten deutlich machen müssen, wie durch Einsparungszwänge und Kostendämpfungsmaßnahmen im Gesundheitswesen Einschränkungen zustande kommen. Die Folgen finanzieller Verknappung dürfen nicht zulasten von Krankenhäusern und Ärzten beziehungsweise Pflegekräften gehen und ihre persönliche Haftung begründen.
Dieses außerordentlich lehrreiche Buch wird jeder in Klinik oder Praxis Tätige gern zur Hand nehmen, sowohl zum Nutzen seiner Patienten als auch zum Schutz seiner selbst beziehungsweise seines Teams. Eine rasche Verbreitung des Buches ist sicher. Jörg Baltzer

Dietrich Berg, Klaus Ulsenheimer (Hrsg.): Patientensicherheit, Arzthaftung, Praxis- und Krankenhausorganisation.
Springer, Berlin, 2006, 270 Seiten, gebunden, 49,95 €
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