ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Frauen und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt: Häusliche Gewalt von beiden Geschlechtern

MEDIZIN: Diskussion

Frauen und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt: Häusliche Gewalt von beiden Geschlechtern

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-658 / B-580 / C-556

Cullen, Paul

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LNSLNS In ihrer Arbeit zur Gewalt gegen Frauen berichten Seifert und Kollegen, dass „obwohl [...] auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden können [... sind.] mehr als 90 Prozent der Opfer weiblich.“ Hierbei wird ein Bericht von Prof. Carol Hagemann-White zitiert, der im Auftrag des nordrhein-westfälischen Landtags erarbeitet wurde. Angaben zu dem prozentualen Anteil von Frauen oder Männer als Opfer fehlen jedoch in diesem Bericht, der sich mit häuslicher Gewalt gegen Männer – abgesehen von einer Fußnote auf Seite 16 – überhaupt nicht befasst.
Dieses Fehlzitat macht darauf aufmerksam, dass der Anteil an häuslicher Gewalt gegen Männer oft unterschätzt wird. So kam eine im Jahre 2004 vom Bundesfamilienministerium durchgeführte Studie mit dem Titel „Gewalt gegen Männer“ zu dem Ergebnis, dass „jedem vierten der Befragten [...] einmal oder mehrmals mindestens ein Akt körperlicher Gewalt durch die aktuelle oder letzte Partnerin [widerfuhr.]“ Hiervon hatten „etwa fünf Prozent der Befragten in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt mindestens einmal eine Verletzung davon getragen“ (1). Andere deutsche (2) sowie österreichische (3) Erhebungen gehen ebenfalls davon aus, dass beide Geschlechter etwa gleich oft häusliche Gewalt ausüben. Zwar führt die häusliche Gewalt von Männern wesentlich häufiger zu schweren körperlichen Verletzungen, dennoch sind schwere Verletzungen von Männern durch häusliche Gewalt durchaus keine Seltenheit.
Seifert tut recht daran, uns auf das weit verbreitete Problem der häuslichen Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Das Bewusstsein für die Möglichkeit häuslicher Gewalt beim verletzten Mann darf jedoch hierbei nicht aus dem Blick geraten, zumal Männer oft Schwierigkeiten haben, sich als deren Opfer zu bekennen.


Prof. Dr. med. Paul Cullen
Kanalstr. 33
48147 Münster
E-Mail: cullen@web.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Jungnitz L, Lenz H-J, Puchert R: Gewalt gegen Männer: Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland – Ergebnisse einer Pilotstudie 2004. Leverkusen: Budrich Verlag 2007.
2.
Krahé B, Berger A: Sex differences in relationship aggression among young adults in Germany. Sex Roles: A Journal of Research 2005; 52: 829–38.
3.
Österreichische Bundesregierung. Gewalt in der Familie. 2001; 300–1. http://bmsgk.cms.apa.at/cms/site/attachments/9/6/0/CH0098/CMS1056453530966/gewaltbericht_neu.pdf
1. Jungnitz L, Lenz H-J, Puchert R: Gewalt gegen Männer: Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland – Ergebnisse einer Pilotstudie 2004. Leverkusen: Budrich Verlag 2007.
2. Krahé B, Berger A: Sex differences in relationship aggression among young adults in Germany. Sex Roles: A Journal of Research 2005; 52: 829–38.
3. Österreichische Bundesregierung. Gewalt in der Familie. 2001; 300–1. http://bmsgk.cms.apa.at/cms/site/attachments/9/6/0/CH0098/CMS1056453530966/gewaltbericht_neu.pdf

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