ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Frauen und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Frauen und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-659 / B-581 / C-557

Heinemann, Axel

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LNSLNS Gewalt gegen Männer gibt es zweifelsohne, wir stimmen den Leserbriefschreibern zu, dass Männer seltener bereit sind, sich als Opfer häuslicher Gewalt erkennen zu geben als Frauen. In der vom Bundesfamilienministerium durchgeführten Studie mit dem Titel „Gewalt gegen Männer“ wird ausgeführt: „Kein einziger der Männer, die angeben, häusliche Gewalt durch die Partnerin erfahren zu haben, hat die Polizei gerufen, obwohl einige der Meinung waren, dass die Partnerin dafür bestraft werden sollte.“
Zurzeit gibt es keine verlässlichen Daten aus Deutschland; die Autoren der genannten Pilotstudie führen in der Einleitung zu ihrem Bericht auf, dass die Ergebnisse ihrer Pilotstudie wegen der geringen Fallzahl keine tragfähige Verallgemeinerung auf die Grundgesamtheit aller Männer in Deutschland zulassen. Tjaden und Thoennes haben in ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten Bericht ausgeführt, dass sie 8 000 Frauen und 8 000 Männer in den Vereinigten Staaten zu ihrer Gewalterfahrung befragt haben. Davon gaben 20,3 % der Frauen und 7,7 % der Männer an, Gewalt in heterosexueller Partnerschaft erlebt zu haben. Hingegen gaben 15 % der homosexuellen Männer an, durch ihren Partner Gewalt erlebt zu haben. Daraus schließen die Autoren, dass Gewalt in Partnerschaften häufiger von Männern ausgeübt wird als von Frauen. Max Haller und Autoren führen in ihrem 1998 veröffentlichten Buch „Gewalt in der Familie“ aus, dass in 18 % der Polizeianzeigen in Österreich Frauen als Täterinnen genannt werden. Von insgesamt 30 weiblichen Täterinnen sind 70 % gegenüber ihrem Ehepartner oder Lebensgefährten tätlich geworden, die restlichen 30 % waren in Generationskonflikte involviert. Bei den Männern konzentrierte sich das Gewalthandeln auf die Ehefrau, männliche Täter wurden in 88 % der Fälle gegen ihre Partnerin tätig. Des Weiteren führen die Autoren an, dass sich die Gewalttätigkeit in ihrer Qualität zwischen den Frauen und Männern wesentlich unterscheidet. Die regelmäßige physische Gewalttätigkeit des Ehemannes findet bei den prügelnden Ehefrauen weder in der Heftigkeit noch in der Häufigkeit oder gar in der Verursachung von dauernden physischen Schäden eine Entsprechung.
Wir danken Professor Müller für seinen Hinweis, dass Kinder ebenfalls Opfer häuslicher Gewalt sind. In dem gerade veröffentlichten Leitfaden „Häusliche Gewalt“ der Ärztekammer Hamburg, an dessen Herstellung auch die Autoren dieses Artikels mitgewirkt haben, werden mehrere Kapitel Kindern als Opfer häuslicher Gewalt gewidmet, insbesondere wird ein Augenmerk auch auf Kinder als Zeugen häuslicher Gewalt gerichtet. Der Leitfaden enthält unter anderem einen Fragebogen mit dem Titel „Hamburger Psychotrauma-Fragebogen häusliche Gewalt“, der Ärzten helfen soll, von Gewalt betroffene Kinder leichter zu erkennen und diese Kinder an die entsprechenden Stellen weiter zu überweisen. Bei Interesse kann der Leitfaden bei den Autoren dieses Artikels angefordert werden.


Dr. med. Axel Heinemann
Institut für Rechtsmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Butenfeld 34, 22529 Hamburg

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Haller M, Höllinger F, Pinter A, Reiner B: Gewalt in der Familie. Ergebnisse einer soziologischen Studie in Zusammenarbeit mit Sozialeinrichtungen, Polizei und Gericht. Leykam Verlag 1998; 54.
2.
Tjaden P, Thoennes W: Extent, nature and concequence of intimate partner violence. Findings from the national violence against women survey. Washington: National Institute of Justice 2000.
3.
Jungnitz L, Lenz H-J, Puchert R, Puhe H: Gewalt gegen Männer: Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland – Ergebnisse der Pilotstudie 2004. Leverkusen: Budrich Verlag 2007.
1. Haller M, Höllinger F, Pinter A, Reiner B: Gewalt in der Familie. Ergebnisse einer soziologischen Studie in Zusammenarbeit mit Sozialeinrichtungen, Polizei und Gericht. Leykam Verlag 1998; 54.
2. Tjaden P, Thoennes W: Extent, nature and concequence of intimate partner violence. Findings from the national violence against women survey. Washington: National Institute of Justice 2000.
3. Jungnitz L, Lenz H-J, Puchert R, Puhe H: Gewalt gegen Männer: Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland – Ergebnisse der Pilotstudie 2004. Leverkusen: Budrich Verlag 2007.

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