ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Differenzialdiagnose von Kopfschmerzen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Differenzialdiagnose von Kopfschmerzen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-661 / B-583 / C-559

Evers, Stefan; Frese, Achim; Marziniak, Martin

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LNSLNS Herr Dr. Stalling weist darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen traumatischen Dissekaten der Halsarterien und einer Chirotherapie nicht bewiesen sei. Wir haben in unserem Beitrag dagegen ausgeführt, dass Symptome oder eine Verstärkung von Dissekaten oft durch eine Chirotherapie ausgelöst werden können. Hiermit ist nicht eine direkte primäre Verursachung gemeint, die durch eine fachgerechte Chirotherapie sicherlich nur extrem selten (wenn überhaupt) vorkommt. Wir wollten vielmehr auf die Gefahr hinweisen, dass es zu Symptomen eines Dissekats durch Chirotherapie kommen kann, wenn vorher bereits ein (häufig auch) asymptomatisches Dissekat bestanden hat. Hierbei handelt es sich im harmlosen Fall um Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall um einen vollendeten Schlaganfall. Dass Chirotherapie durch Manipulation an einem vorher asymptomatischen Dissekat zu einem Schlaganfall führen kann, ist inzwischen in so vielen Studien belegt worden, dass hier nur einige beispielhaft zitiert werden können (13).
Im Übrigen hat dieser Zusammenhang auch seinen Niederschlag in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin gefunden, die speziell zu dieser Problematik im Jahr 2003 einen Workshop durchgeführt hat, an dem der Erstautor auch teilgenommen hat. Dort heißt es: „Es kann auf dem Boden einer klinisch nur schwer erkennbaren Spontandissektion und in zeitlichem Zusammenhang mit dem manualmedizinischen Eingriff zu schweren neurologischen, in sehr seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.“ (4) Über die Gefahr eines Schlaganfalls auf dem Boden eines Dissekats durch manualmedizinische Maßnahmen muss selbst nach den unumstrittenen Empfehlungen der genannten zuständigen wissenschaftlichen Fachgesellschaft aufgeklärt werden (4).
Wir danken Herrn Dr. Krüger für den ergänzenden Hinweis, dass vor einer Biopsie der A. temporalis bei Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis eine Dopplersonographie der A. carotis gemacht werden sollte. Wir haben auf die großzügige Indikationsstellung zur Biopsie vor allem für die Fälle hingewiesen, die klinisch atypisch verlaufen. Eine negative Biopsie schließt dabei die Diagnose einer Riesenzellarteriitis natürlich nicht aus, die positive Biopsie bleibt aber der Goldstandard in der Diagnostik dieser Erkrankung.
Frau Kollegin Dr. Kuhn widersprechen wir ausdrücklich, denn wir sind der Meinung, dass es sehr wohl auch Aufgabe von Medizinern ist, sich mit Kostenbilanzen auseinander zu setzen. An keiner Stelle in unserem Artikel haben wir jedoch Kopfschmerzpatienten unter Kostenaspekten stigmatisiert, wir würden uns dagegen auch jederzeit auf das Entschiedenste wehren.


Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers
Dr. med. Achim Frese
Dr. med. Martin Marziniak
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33
48129 Münster
E-Mail: everss@uni-muenster.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Rothwell DM, Bondy SJ, Williams JI: Chiropractic manipulation and stroke: a population-based case-control study. Stroke 2001; 32: 1054–60. MEDLINE
2.
Dziewas R, Konrad C, Dräger B et al.: Cervical artery dissection – clinical features, risk factors, therapy and outcome in 126 patients. J Neurol 2003; 250: 1179–84. MEDLINE
3.
Smith WS, Johnston SC, Skalabrin EJ et al.: Spinal manipulative therapy is an independent risk factor for vertebral artery dissection. Neurology 2003; 60: 1424–8. MEDLINE
4.
Graf-Baumann T, Ringelstein EB (für die Arbeitsgruppe): Qualitätssicherung, Aufklärung und Dokumentation in der Manuellen Medizin der Wirbelsäule. Manuelle Medizin 2004; 42: 141–70.
1. Rothwell DM, Bondy SJ, Williams JI: Chiropractic manipulation and stroke: a population-based case-control study. Stroke 2001; 32: 1054–60. MEDLINE
2. Dziewas R, Konrad C, Dräger B et al.: Cervical artery dissection – clinical features, risk factors, therapy and outcome in 126 patients. J Neurol 2003; 250: 1179–84. MEDLINE
3. Smith WS, Johnston SC, Skalabrin EJ et al.: Spinal manipulative therapy is an independent risk factor for vertebral artery dissection. Neurology 2003; 60: 1424–8. MEDLINE
4. Graf-Baumann T, Ringelstein EB (für die Arbeitsgruppe): Qualitätssicherung, Aufklärung und Dokumentation in der Manuellen Medizin der Wirbelsäule. Manuelle Medizin 2004; 42: 141–70.

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