ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Inanspruchnahme stationärer Krankenhausleistungen durch Pflegeheimbewohner: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Inanspruchnahme stationärer Krankenhausleistungen durch Pflegeheimbewohner: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-662 / B-584 / C-560

Ramroth, Heribert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Reaktion von Herrn Dr. Fischer verdeutlicht, dass es sich beim Thema ärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern um ein komplexes und sensibles Thema handelt. Die von uns vorgelegte Studie beleuchtet aufgrund der ausgewerteten Sekundärdaten die Diagnosen, nicht jedoch tieferliegende Hintergründe für die Krankenhauseinweisung.
Pflegeheimbewohner sind eine sehr heterogene Personengruppe, was an zwei Beispielen deutlich wird: der alte Mensch, der aufgrund von Demenz oder Alzheimererkrankung die häusliche Pflege der Angehörigen überforderte, aber auch die Bewohnerin, die aufgrund einer Mobilitätseinschränkung nach Sturz und Oberschenkelhalsbruch ins Heim übersiedeln musste, für die klinische Rehabilitation zu langsam regenerierend. Beide Beispiele zeigen, dass Pflege im Heim intensiver menschlicher Betreuung bedarf, um fachlich geschult mit dem Patienten umzugehen. Im zweiten Fall wird deutlich, dass es weniger um High-Tech-Medizin und Akutversorgung geht, sondern um personelle Ressourcen für Prophylaxen (zum Beispiel Sturzprophxlaxe), Anregung und Aktivierung (Mobilisierung). Hierbei ist die Re-Aktivierung zur Vermeidung irreversibler Einschränkungen besonders personal- und zeitintensiv.
Wie im Artikel und auch in der Leserreaktion diskutiert, gibt es eine bessere medizinische Versorgung von Pflegeheimbewohnern nur durch eine verstärkte institutsübergreifende Kooperation an den Schnittstellen zwischen Krankenhaus, Pflegeheim und Hausarzt. Dies beginnt bei konkreten Absprachen, die die Zusammenarbeit bei der täglichen Arbeit erleichtern. Der Hausarzt nennt verlässliche Visitenzeiten und das Heimpersonal sorgt dafür, dass diese Visiten reibungslos verlaufen. Nicht zuletzt geht es natürlich auch um Anreize: die medizinische Versorgung im Heim muss attraktiver werden. Nur dann wird es weniger häufig zu Krankenhauseinweisungen kommen, die in einem Teil der Fälle für Heimbewohner eher nachteilig sind.

Dr. sc. hum. Dipl.-Math. Heribert Ramroth
Universitätsklinikum Heidelberg, Hygieneinstitut
Im Neuenheimer Feld 324
69120 Heidelberg
E-Mail: hramroth@urz.uni-heidelberg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige