ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2007Versicherungen: Richtig kündigen

WIRTSCHAFT

Versicherungen: Richtig kündigen

Dtsch Arztebl 2007; 104(10): A-667 / B-588 / C-564

Combach, Rolf

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LNSLNS Nach einer Prämienerhöhung besteht ein Ausstiegsrecht aus einem Versicherungsvertrag nur dann, wenn die neue Prämie nicht den Schutz verbessert.

Oft merkt der Versicherte zu spät, dass er eine unnötige Versicherung abgeschlossen hat, oder er will eine teure Police gegen eine billigere ersetzen. Doch wie kommt man aus dem Vertrag heraus? Für jede Versicherung gibt es Laufzeiten, die einzuhalten sind. Aber: Die vertragliche Verpflichtung ist keine Bindung fürs Leben.
Wer seinen Versicherungsvertrag „ordentlich“ kündigen will, kann dies zum Ende der Laufzeit tun. Diese kann ein bis fünf Jahre betragen. Wer einen Fünfjahresvertrag besitzt, ist am Ende des fünften Jahres „frei“, danach jährlich zum Ende des Versicherungsjahres. Wer eine Lebens- oder eine private Kran­ken­ver­siche­rung abgeschlossen hat, kann zum Ende des Jahres aus dem Vertrag aussteigen. Sehr wichtig allerdings ist es, die Kündigungsfristen einzuhalten, das heißt, das Kündigungsschreiben muss drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit beim Versicherungsunternehmen vorliegen. Doch es gibt Ausnahmen: Eine einmonatige Kündigungsfrist besteht bei der Lebensversicherung, bei der Kfz-Haftpflichtversicherung und bei neueren Kfz-Kaskoverträgen.
Hausratsversicherungen, die neu abgeschlossen werden, können bei jeder Prämienerhöhung vorzeitig gekündigt werden. Das ist eine der wichtigsten Änderungen, die die Versicherungsunternehmen in ihren neuen Hausratversicherungsbedingungen vorgenommen haben und die vom Aufsichtsamt genehmigt wurden. Alte Verträge sehen eine vorzeitige Kündigung nur dann vor, wenn die Beiträge, je nach dem Zeitpunkt des Vertragsbeginns, be-stimmte Prozentsätze übersteigen. Darüber hinaus haben die Versicherer eine Reihe von Leistungsverbesserungen beschlossen. So sind beispielsweise Hagelschäden oder Brandschäden durch Nutzwärme und Nutzfeuer automatisch mitversichert. Die Entschädigungsgrenzen für Bargeld außerhalb eines Safes wurden heraufgesetzt, und Garagen in der Nähe der Wohnung sind in den Versicherungsschutz einbezogen. Beim Umsteigen auf einen neuen Hausratversicherungsvertrag sollte allerdings bedacht werden, dass diese Leistungen ihren Preis haben.
Auch wer einen Versicherungsvertrag mit einjähriger Laufzeit abgeschlossen hat, muss seinen Vertrag explizit kündigen. Denn ein solcher Vertrag endet nicht nach dem Ablauf der Vertragszeit, sondern verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr. Bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Ablauf der Kündigungsfrist, so sollte man zur eigenen Sicherheit einen Brief per Einschreiben mit Rückschein schicken. Eilt es nicht, so kann man auch einen normalen Brief mit der Kündigung senden und um Bestätigung der Kündigung bitten.
Mit dem Kauf eines Hauses übernimmt der Käufer per Gesetz auch die Wohngebäudeversicherung des Vorbesitzers. Ob der neue Besitzer den Versicherungsvertrag weiterführen will, sollte er nach einem Vertragsübernahmeangebot des Versicherers entscheiden. Will der Hauseigentümer den bisherigen Versicherungsvertrag nicht fortführen, kann er innerhalb eines Monats außerordentlich kündigen. Kündigt der Käufer nicht, haften er und der Verkäufer in der Versicherungsperiode, in die die grundbuchamtliche Umschreibung fällt, gemeinsam für den Versicherungsbeitrag. Kündigt der Käufer fristgemäß und per sofort, endet zwar der Versicherungsschutz unverzüglich. Der Verkäufer muss aber bis zum Ende der laufenden Versicherungsperiode für die Versicherung bezahlen.
Jeder Versicherungskunde hat dann ein Sonderkündigungsrecht, wenn der Versicherer die Prämien erhöht, ohne den Versicherungsschutz auszuweiten. Nach Eingang der Erhöhungsmitteilung hat er einen Monat Zeit, um zu kündigen. Dies gilt nicht für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung. Erhöht die Kasse die Beitragssätze, so bleiben zwei Monate Zeit, um sich eine neue Kasse zu suchen. Ein weiteres Sonderkündigungsrecht wird dem Kunden im Schadensfall eingeräumt. Allerdings gilt dies auch für den Versicherer.
Rolf Combach
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