ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2007Was ändert sich für das MVZ?

POLITIK

Was ändert sich für das MVZ?

PP 6, Ausgabe März 2007, Seite 106

Bausch, Frank

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LNSLNS Bis Ende September 2006 wurden bundesweit 562 Medizinische Versorgungszentren mit fast 2 200 Ärzten zugelassen. Durch das VÄG ändert sich auch hier einiges.

Durch die bisherigen Besonderheiten war die Tätigkeit in einem der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) für Ärzte besonders attraktiv. Während ein MVZ von jedem zugelassenen Leistungserbringer nach dem SGB V gegründet werden kann, stand dieses Recht bei den klassischen Versorgungsformen wie Einzel-, Gemeinschaftspraxis oder der Praxisgemeinschaft nur den Ärzten selbst zu. Analog zur Trägerebene standen für ein MVZ fast alle Rechtsformen zur Verfügung, während den klassischen Versorgungsformen im Wesentlichen die Gesellschaft bürgerlichen Rechtes vorbehalten war.
Zwar waren auch bei den klassischen Versorgungsformen Anstellungsverhältnisse möglich, zum Beispiel in Form eines Job-Sharings, als Weiterbildungs- oder Dauerassistent. Aber diese waren stark reglementiert. Im MVZ hingegen kann ein Sitz wesentlich flexibler auf mehrere Angestellte verteilt werden. Darüber hinaus erwarben Angestellte, die mindestens fünf Jahre im MVZ tätig waren, das Recht auf einen Sitz, selbst wenn der Planungsbezirk gesperrt war. Und nicht zuletzt hat ein MVZ das Recht auf Nachbesetzung des Sitzes ohne formales Nachbesetzungsverfahren.
Auf der Trägerebene ändert sich durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄG) nichts. Für den Fall, dass die Rechtsform der Kapitalgesellschaft gewählt wird, haben die Gesellschafter des MVZ eine selbstschuldnerische Bürgschaftserklärung für Forderungen der KVen oder Krankenkassen, die sich aus dessen vertragsärztlicher Tätigkeit ergeben, vorzulegen.
Die bedeutsamsten Änderungen betreffen die Anstellungsmöglichkeiten: Einzel- oder Gemeinschaftspraxen dürfen jetzt Ärzte anstellen – vorausgesetzt, die entsprechenden Kassensitze sind vorhanden. In dieser Hinsicht werden also das MVZ und die klassischen Versorgungsformen gleichgestellt. Darüber hinaus wurde das Niederlassungsprivileg nach fünfjähriger Anstellung im MVZ gestrichen.
Als fachübergreifend gilt ein MVZ nunmehr auch, wenn Ärzte mit verschiedenen Facharztbezeichnungen oder verschiedenen Schwerpunktbezeichnungen darin tätig sind. Der bisherige Ausschluss, dass ein MVZ von zwei fachärztlich tätigen Internisten, zum Beispiel einem Kardiologen und einem Angiologen, betrieben wird, gehört damit der Vergangenheit an. Ermöglicht wird nun auch zum Beispiel ein Kopfzentrum, in dem Ärzte und Zahnärzte zusammenwirken können. Die Unzulässigkeit einer gemeinsamen Beschäftigung von Zahnärzten und Ärzten wird für das MVZ aufgehoben.
Neu ist auch die Möglichkeit, ein MVZ kooperativ zu leiten. Dies kommt dann in Betracht, wenn Ärzte und Zahnärzte oder Ärzte und Psychotherapeuten ein MVZ betreiben. Ein MVZ kann nun Partner in einer örtlichen oder überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft werden. Ebenfalls für die MVZ von Bedeutung ist der Fall der grundsätzlichen Unvereinbarkeit einer ambulanten und stationären Tätigkeit. Somit sind Konstellationen wie die Folgende denkbar: Ein Krankenhaus gründet ein MVZ. Dieses übernimmt die zum Betrieb notwendigen Praxen und stellt pro Sitz zwei Ärzte mit jeweils 50 Prozent an. Gleichzeitig erhalten diese MVZ-Ärzte einen Teilzeit-Anstellungsvertrag im Krankenhaus.
Aus Sicht der Vertragsärzte reduzieren sich die Vorteile des MVZ deutlich. Die Ziele, die sich früher mit der Gründung eines MVZ realisieren ließen, lassen sich inzwischen fast ausnahmslos auch mit den klassischen Versorgungsformen erreichen. Durch das VÄG ergeben sich allerdings neue Möglichkeiten, die insbesondere die MVZ nutzen können, auch wenn sie allen Versorgungsformen offenstehen. Insbesondere ist hier an die engere Verzahnung mit dem stationären Bereich zu denken, der durch die nunmehr grundsätzliche Vereinbarkeit einer Tätigkeit sowohl im stationären als auch ambulanten Sektor möglich ist. Vornehmlich die Krankenhäuser könnten dies als Chance begreifen und sich verstärkt um die Gründung und vor allem den Betrieb von MVZ kümmern. Über diesen Weg eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, ihr Leistungsangebot umzubauen und in den ambulanten Sektor hinein auszubauen. Für den Fall, dass stationäre Kapazitäten aufgegeben werden, kann über eine MVZ-Gründung sogar das Personal weiter beschäftigt werden. Gegen einen verstärkten Einstieg der Krankenhäuser in die ambulante Versorgung spricht allerdings nach wie vor die nicht unbegründete Angst, die Zuweiser – insbesondere die Hausärzte – mit einem solchen Schritt zu verstimmen. Die Bildung von MVZ-Ketten im patientennahen Bereich wird wohl eher die Ausnahme bleiben. Insgesamt scheint die Prognose nicht abwegig, dass die Neugründungen von MVZ durch Vertragsärzte zurückgehen werden.
Zusammenschlüsse und Fusionen von Vertragsärzten zu örtlichen und überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften werden durch das VÄG weiter zunehmen. Frank Bausch
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