ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2007Posttraumatische Belastungsstörung: Persistierende Dissoziation kann verstärken

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Posttraumatische Belastungsstörung: Persistierende Dissoziation kann verstärken

PP 6, Ausgabe März 2007, Seite 128

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LNSLNS Persistierende Dissoziation kann als Parzellierung von Erleben nach einem traumatischen Ereignis verstanden werden. Traumatische Erfahrungen werden dabei nicht als Ganzes, sondern als isolierte Fragmente im Gedächtnis gespeichert und existieren in Form von intrusiven Erinnerungen oder Albträumen weiter. Der Autor hat jetzt in einer prospektiven Längsschnittstudie untersucht, welche Rolle persistierende Dissoziation für die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach Großschadensereignissen spielt. Dazu untersuchte er sechs Wochen und sechs Monate nach dem Gletscherbahnunglück von Kaprun (im Jahr 2000) 69 männliche und 66 weibliche Einsatzkräfte (Notfallpsychologen, -seelsorger, Psychotherapeuten, Kriseninterventionsteams et cetera). Zum ersten Messzeitpunkt waren 8,9 Prozent der Einsatzkräfte von akuter PTBS betroffen. Zum zweiten Messzeitpunkt wurde bei 4,9 Prozent eine chronische PTBS festgestellt. Die am häufigsten genannten Symptome persistierender Dissoziation waren „einfach nur dazusitzen und ins Leere starren, an nichts denken und nicht bemerken, wie die Zeit vergeht“ (37,7 Prozent), „sich nicht erinnern können, ob man etwas wirklich getan hat oder lediglich darüber nachgedacht hat, es zu tun" (31,1 Prozent) und „ein Gefühl haben, als betrachte man die Welt durch einen Schleier, sodass Personen und Gegenstände weit entfernt, undeutlich und unwirklich erscheinen“ (28,4 Prozent). Der Autor schließt aus den Ergebnissen der Studie: „Persistierende Dissoziation ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung und Chronifizierung der PTBS.“ ms

Brauchle G: Persistierende Dissoziation als Prädiktor posttraumatischer Belas-tungsstörungen bei psychosozialen Fachkräften. Psychother Psych Med 2006; 56: 342–6.

PD Dr. Gernot Brauchle, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin, Medizinische Universität Innsbruck, Sonnenburgstraße 16, A-6020 Innsbruck (Österreich), E-Mail: Gernot.Brauchle@uibk.ac.at
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