ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1997Börsebius zu Krediten (II): Eine Frage des Rückgrats

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Krediten (II): Eine Frage des Rückgrats

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Von Kredithaien und dem Umgang mit ihnen war letzte Woche die Rede. Allerdings meine ich mit der Vokabel "Umgang" genau das Gegenteil, gilt es vielmehr, beide Beine unter die Arme zu nehmen, wenn sich solche Herrschaften einem nähern.
Kredithaie, welcher Couleur auch immer, kommen erst dann zum Zuge, wenn Banken ihrem Kunden keinen roten Heller mehr rausrücken, und dann ist es in der Regel eh zu spät. Es muß jedermann klar sein, daß auch diese Geldvermittler ihr Kapital ganz normal bei einer Bank einkaufen und an den in Not Geratenen weiterreichen, mit einem saftigen Risikozuschlag versteht sich.
Im übrigen können Kredithaie sehr unangenehm werden, wenn die Zahlungen ausbleiben. Bedrohungen auch der Familie gehören ohne weiteres zum Alltag. Im Falle des Falles ist es das beste, sofort Anzeige zu erstatten und erst recht solche Verträge anzufechten, was in der Regel wegen ihrer Sittenwidrigkeit auch geht. Ein Gang zum Anwalt ist in dieser Situation sicher angemessen.
Aber was ist zu tun, wenn finanziell (fast) nichts mehr geht? Scham hin, Scham her, nun ist dringend geboten, ein Gespräch mit der Hausbank zu suchen. Das ist, zugegeben, nicht leicht, wer gibt schon zu, sich finanziell verhoben zu haben. Erstaunlicherweise läßt sich auch dort mit einigem Verhandlungsgeschick einiges erreichen. Wichtig ist dabei nur, daß Sie Rückgrat zeigen und eine feste Position einnehmen, keinesfalls als devoter Bittsteller auftreten.
Ganz ohne Zweifel sind Banken, bevor sie einen Kredit zur Gänze abschreiben müßten, auch bereit, über eine Stundung der Zinsen, eine Tilgungsaussetzung oder gar einen x-prozentigen Nachlaß der Schulden zu sprechen. Dies ist freilich um so erfolgversprechender, je mehr Sie überzeugend darlegen können, wie Sie in Zukunft besser mit Finanzen umzugehen beabsichtigen, aber auch, wie Sie sich betriebswirtschaftlich besser strukturieren.
Oft hilft auch eine strategische Umschuldungsoperation mit dem Ziel, alle Verbindlichkeiten zu bündeln, Laufzeiten zu verlängern und Tilgungen zu strecken. Fast immer wird allerdings eine Entschädigung fällig, deren Höhe aber in einem gewissen Rahmen verhandelbar ist. Aber: Es gibt nach dem BGB durchaus auch die Möglichkeit, Investitionskredite mit einer Laufzeit über zehn Jahre ohne weiteres zu kündigen. Das sagen einem die Banken natürlich nicht, weil bei ordnungsgemäßer Kündigung die eben erwähnte Vorfälligkeitsentschädigung nicht erhoben werden darf!
Sehr erfreulich ist zudem, daß die Bank verpflichtet ist, ein noch nicht verbrauchtes Disagio zurückzuzahlen. Das kann ein wahres Labsal für die notleidende Liquidität und manchmal auch die Rettung sein. Börsebius
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