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ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2007Asthma durch feuchte Wohnungen

AKTUELL: Akut

Asthma durch feuchte Wohnungen

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Durchfeuchtete Wohnungen, insbesondere aber ein sichtbarer Schimmelpilzbefall, sind nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie (European Respiratory Journal 2007; 29: 509–15) mit einem erhöhten Asthmarisiko bei Kindern assoziiert. In Finnland wäre demnach jede fünfte Asthmaerkrankung bei Kleinkindern die Folge schlechter Wohnraumbedingungen. Die Studie von Juha Pekkanen von der Universität Kupio und Umweltmedizinern des National Public Health Institute in Helsinki zeichnet sich durch die besondere Sorgfalt bei der Erhebung des Schimmelbefalls aus. Alle Wohnungen von 121 Kindern, die im Alter von zwölf bis 84 Monaten an Asthma erkrankten, wurden von ausgebildeten Ingenieuren systematisch begutachtet. Geschaut wurde, wo sich Feuchtigkeit an den Wänden gebildet hatte, wo Kondensationsspuren sichtbar waren, sich Tapeten verfärbt oder abgelöst hatten und so weiter. Außerdem wurde darauf überprüft, ob die Kinder mindestens 75 Prozent ihrer Lebenszeit oder wenigstens zwei Jahre an der angegebenen Adresse gewohnt hatten. Genauso akribisch wurden die Wohnungen von 242 Kindern gleichen Alters und Geschlechts begutachtet, die im selben Stadtteil wie die erkrankten Kinder lebten, aber nicht an Asthma litten.
Schimmelpilz-Biotop: Schlafzimmer
Danach erhöht das Ausmaß der Wohnungsdurchfeuchtung und sichtbarer Schimmelbefall das Risiko auf eine Asthmaerkrankung um den Faktor zwei bis drei. Ausschlaggebend war der Schimmelbefall in dem Viertel der Wohnung, in dem sich die Kinder bevorzugt aufhielten, vor allem aber im Schlafzimmer der Kinder. Das Risiko war für atopische und nicht atopische Formen des Asthmas gleichermaßen erhöht, sodass Pekkanen und Mitarbeiter sich ziemlich sicher sind, dass der Feuchtigkeitsbefall eine mögliche Ursache des Asthmas ist und nicht nur die Symptome verstärkt. Die Forscher berechnen, dass 20 Prozent aller Asthmaerkrankungen durch feuchte Wohnungen ausgelöst wurden. Als Erklärung bieten sich die Schimmelpilze an, die sich im Biotop von durchfeuchteten Wänden und Tapeten vermehren. Pilzbestandteile sind dann in aller Regel auch in der Innenraumluft nachweisbar. Auf diese Weise könnten sie in die Atemwege der Kinder gelangen und dort eine allergische Reaktion auslösen. Die European Respiratory Society scheint diese Ansicht zu teilen. Sie fordert die Ärzte auf, die Möglichkeit einer durch feuchte Wohnungen ausgelösten Asthmaerkrankung zu bedenken. Rüdiger Meyer
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