ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2007Gesundheitstelematik: Ärzte als große Verlierer
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„Die Einführungskosten der elektronischen Gesundheitskarte werden auf 1,4 Milliarden Euro veranschlagt.“ Dieser Satz ist Originalton der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin, der man wie so oft nicht trauen darf. Die Kosten-Nutzen-Analyse der Treibergesellschaft gematik, und die weiß es absolut besser als Ulla Schmidt, ist so katastrophal ausgefallen, dass sie nicht veröffentlicht werden sollte. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die eGK nicht wie Ulla behauptet 1,4, mindestens 3,9, möglicherweise sogar sieben Milliarden Euro kosten wird. Die 585 Millionen Euro für die Anschaffung der neuen Karte für alle 82 Millionen Versicherten sind in dieser Summe noch nicht enthalten. Auch der von Ulla Schmidt blauäugig versprochene Spareffekt nach fünf Jahren ist eine Luftnummer. Den etwa 4,4 Milliarden Euro Nutzen stehen 2,5 Milliarden Euro Kosten gegenüber – so die vorsichtige Schätzung der gematik. Lediglich die Krankenkassen werden um ca. 2,2 Milliarden Euro entlastet. Die großen Verlierer sind eindeutig die Ärzte. Bundesweit lehnen mehr als 95 Prozent der Ärzte die Karte ab, u. a. weil die Investitionen bis zu 10 000 Euro pro Praxis kosten werden. Die Gutachter kommen auf eine Gesamtbelastung von fast 1,9 Milliarden Euro für die Ärzte, denen ein Nutzen von mickrigen 500 Euro gegenübersteht, d. h. für die Ärzte ein Nettoverlust von 1,4 Milliarden Euro – für die Apotheker von 702 Millionen Euro. Nach der Veröffentlichung der Betreiberstudie lehnen die Lan­des­ärz­te­kam­mern Nordrhein, Hessen und Bremen die elektronische Karte ab. Sie werden sicher nicht die Letzten sein. Geradezu lächerlich ist ein Ministerinnenhinweis auf angeblichen Bürokratieabbau durch das ,,elektronische Rezept“. Eine seriöse Untersuchung hat gezeigt, dass der Arzt bisher zwei Sekunden für die Unterschrift benötigt, für die elektronische Signatur – u. a. ist dabei die Eingabe einer sechsstelligen PIN notwendig, mindestens 24 Sekunden, entsprechend 27 Stunden im Monat in einer Praxis mit 1 600 Patienten . . .
Dr. med. Jörn Pankow, Große Straße 36,
24937 Flensburg
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