ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2007Zertifizierte medizinische Fortbildung – Leitsymptom Juckreiz: Dermatologische Aspekte fehlen

MEDIZIN: Diskussion

Zertifizierte medizinische Fortbildung – Leitsymptom Juckreiz: Dermatologische Aspekte fehlen

Dtsch Arztebl 2007; 104(11): A-729 / B-643 / C-619

Ständer, Sonja; Weisshaar, Elke

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LNSLNS Es freut uns sehr, dass das Deutsche Ärzteblatt die große und sozialmedizinische Bedeutung von Pruritus zu schätzen weiß, leiden doch etwa 8 % der Allgemeinbevölkerung daran. Wir danken den Autoren für die Darstellung der Thematik, die wir aus dermatologischer Sicht kommentieren möchten. Im ersten Absatz wird geschrieben, dass sich dieser Artikel auf „Pruritus sine materia“ konzentriert und damit dermatologische Aspekte gleichwohl ausgrenzt. Der Begriff „Pruritus sine materia“ ist eine veraltete, nicht mehr verwendete Bezeichnung, weil dies dem Vorkommen von Pruritus auf unauffälliger Haut nicht gerecht wird. Bei bestimmten Pruritusformen wie zum Beispiel dem medikamenten-induzierten Pruritus besteht durchaus eine (mikroskopisch nachweisbare) Materie ohne äußerlich erkennbare dermatologische Effloreszenzen. Des Weiteren existieren viele juckende Dermatosen, die sich zunächst auf scheinbar normaler Haut entwickeln und differentialdiagnostisch wichtig sind.
Es erfolgt in dem Artikel weiterhin eine Themendarstellung, die unter Aussparung wichtiger dermatologischer Aspekte gleichsam erschwert ist und dem häufigsten Symptom der Haut nicht gerecht wird. Beispielsweise nennen die Autoren zwar die Bedeutung der Hautnerven bei einer Entstehung des Pruritus, aber aktuelle Forschungsergebnisse zur Neurobiologie, Neurorezeptoren und immunologischen Mechanismen, die in den letzten Jahren zum Verständnis des Symptoms beitrugen, bleiben leider unerwähnt. Die Schwierigkeit der Spezifizierung von dermatologischen Therapien und das Fehlen wichtiger Nebenwirkungen zeigen im weiteren Verlauf des Beitrages, dass dermatologische Expertise zur Abhandlung dieses Themas notwendig ist. Auch der psychogene Pruritus und die hierbei wichtige Zusammenarbeit mit Psychiatern und Psychosomatikern bleiben größtenteils unerwähnt, obwohl auch hier Pruritus ohne Hauterscheinungen auftreten kann.
Zusammenfassend möchten wir mit diesem Kommentar zu diesem herausfordernden Thema nochmals verdeutlichen, dass bei chronischem Pruritus eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unerlässlich ist, nicht nur in der Patientenversorgung.


PD Dr. med. Sonja Ständer
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Straße 58
48149 Münster
E-Mail: sonja.staender@uni-muenster.de

Dr. med. Elke Weisshaar
Klinische Sozialmedizin
Schwerpunkt Berufs- und Umweltmedizin
Universität Heidelberg
Thibantstraße 3
69113 Heidelberg
1.
Ständer S, Streit M, Darsow U et al.: Leitlinie: Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei chronischem Pruritus. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2006, 4: 350–70. MEDLINE
2.
Ständer S, Weisshaar E, Mettlang T et al.: Klinische Klassifikation von chronischem Pruritus: Interdisziplinärer Konsensusvorschlag für einen diagnostischen Algorithmus. Hautarzt 2006, 57: 390–4. MEDLINE
3.
Ikoma A, Steinhoff M, Ständer S, Yosipovitch G, Schmelz M: Neurobiology of Pruritus. Nat Rev Neuroscience 2006, 7: 535–47. MEDLINE
1. Ständer S, Streit M, Darsow U et al.: Leitlinie: Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei chronischem Pruritus. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2006, 4: 350–70. MEDLINE
2. Ständer S, Weisshaar E, Mettlang T et al.: Klinische Klassifikation von chronischem Pruritus: Interdisziplinärer Konsensusvorschlag für einen diagnostischen Algorithmus. Hautarzt 2006, 57: 390–4. MEDLINE
3. Ikoma A, Steinhoff M, Ständer S, Yosipovitch G, Schmelz M: Neurobiology of Pruritus. Nat Rev Neuroscience 2006, 7: 535–47. MEDLINE

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