ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2007Telemedizin: „Frühwarnsystem“ für Herzkranke

TECHNIK

Telemedizin: „Frühwarnsystem“ für Herzkranke

Dtsch Arztebl 2007; 104(11): A-740 / B-653 / C-629

char; Krüger-Brand, Heike E.

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Mobile Systeme, etwa zur Blutdruckmessung, erleichtern es Risikopatienten, ein weitgehend normales Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu führen. Foto: Omron
Mobile Systeme, etwa zur Blutdruckmessung, erleichtern es Risikopatienten, ein weitgehend normales Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu führen. Foto: Omron
Im Projekt „Partnership for the Heart“ wird ein telemedizinisches System zur Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz erprobt.

Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischer Herzinsuffizienz – Tendenz steigend. Verschlechterungen ihres Gesundheitszustandes werden oft zu spät erkannt, um Komplikationen und Kranken­haus­auf­enthalte zu verhindern. 450 von ihnen sollen ab Mitte 2007 für ein Jahr an einer klinischen Studie teilnehmen, die den Nutzen einer telemedizinischen Überwachung dieser Risikopatienten untersucht. Unter Leitung der Charité Berlin haben sich Partner aus Wissenschaft, Industrie und Gesundheitswesen zusammengeschlossen, um ein telemedizinisches Frühwarnsystem zu entwickeln, mit dem Patienten rund um die Uhr in ihrem häuslichen Umfeld betreut und Therapien bei Komplikationen frühzeitig angepasst werden können.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert das auf drei Jahre angelegte Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Partnership for the Heart“ mit fünf Millionen Euro. Den gleichen Betrag steuert ein Industriekonsortium bei, bestehend aus den Partnern Actimon GmbH & Co KG, Intercomponentware AG und Robert Bosch GmbH. Die Partner entwickeln ein auch für Ältere leicht bedienbares mobiles System, mit dem Patienten relevante Vitalparameter, wie Blutdruck, Gewicht und EKG, von zu Hause und unterwegs per Mobilfunk-PDA übertragen. Die Daten gehen in einem von zwei telemedizinischen Zentren ein, die ab Mitte 2007 an der Charité Berlin und am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart den Betrieb aufnehmen werden. Dort reagieren Fachärzte rund um die Uhr auf auffällige Messwerte und leiten notwendige Maßnahmen ein – von der Kontaktaufnahme mit dem Patienten über die Überweisung zum Hausarzt oder Kardiologen bis zum Einsatz eines Rettungswagens im Notfall. In der Begleitstudie wird untersucht, ob die telemedizinische Betreuung die Lebensqualität der Patienten verbessert, ob sich Kranken­haus­auf­enthalte dadurch vermeiden lassen und ob die Sterblichkeitsrate gesenkt werden kann. Die Studienleitung hat die Charité inne, bei der auch das nationale Kompetenzzentrum für Telekardiologie und chronische Herzinsuffizienz angesiedelt ist.
Während der Studie werden geeignete Herzinsuffizienz-Patienten wie bisher durch ihren Haus- beziehungsweise Facharzt betreut, ein Teil von ihnen erhält zusätzlich telemedizinische Messgeräte. Zwei gesetzliche Krankenkassen begleiten das Projekt, so etwa im Rahmen von Verträgen zur integrierten Versorgung („TeleCardioPlus“). Unter Einbindung der ambulant betreuenden Ärzte planen die Barmer in der Region Berlin-Brandenburg sowie die Barmer und die Bosch BKK in Baden-Württemberg eine Umsetzung innovativer vertraglicher Regelungen. Dabei ist eine enge Kooperation mit den ambulanten Partnern in den Regionen vorgesehen, darunter mit dem Hausärzteverband Berlin-Brandenburg e.V.
Von der Einbettung in unterschiedlich geprägte regionale Versorgungsstrukturen – von der Metropole Berlin bis hin zu strukturschwachen ländlichen Regionen in Brandenburg – verspricht man sich gute Vergleichsmöglichkeiten hinsichtlich des Mehrwerts telemedizinischer Technologie. Vor allem in ländlichen Regionen ist die flächendeckende medizinische Versorgung durch mangelnde Haus- und Fachärzte zunehmend gefährdet. Sinnvoll eingesetzte Telemedizin könnte die Versorgungssituation dort deutlich verbessern. Hausärzte seien deshalb bereit, telemedizinische Lösungen für die bessere Betreuung der Patienten auszuprobieren, erklärte Stephan Bernhardt vom Hausärzteverband Berlin-Brandenburg. Stellt sich das Monitoringsystem im Vergleich zur bisherigen Behandlung als überlegen heraus, könnte es künftig auf weitere Krankheitsbilder übertragen werden (wie Diabetes, Risikoschwangerschaft, Schlaganfall). Die verwendete Technik wird als offene Plattform konzipiert, die herstellerübergreifend einsetzbar und außerdem kompatibel zur geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur im Gesundheitswesen sein soll.
char/KBr

Informationen:
Dr. Stephanie Lücke, Projektkommunikation „Partnership for the Heart“, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik, Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie, Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, E-Mail: stephanie.luecke@charite.de
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