ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2007Bayer Schering: Wer siegt, bestimmt

PHARMA

Bayer Schering: Wer siegt, bestimmt

Dtsch Arztebl 2007; 104(11): A-741

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Bayer AG
Foto: Bayer AG
Gut zehn Prozent der Arbeitsplätze der Bayer Schering Pharma AG, in der die alte Berliner Schering AG aufgegangen ist, sind entbehrlich – das sind weltweit 6 100 von 60 000, darunter 1 400 in Forschung und Entwicklung. Überproportional betroffen ist die Berliner Schering-Zentrale, hier gehen insgesamt 1 200 von 5 500 Stellen verloren, also gut zwanzig Prozent. Die Schering-Mitarbeiter sind überrascht. Doch was da passiert, ist ganz normal: Wer siegt, bestimmt.
Noch nie hat ein übernehmendes Unternehmen die Arbeitsplätze, die durch „Synergien“ überflüssig werden, bevorzugt bei sich abgebaut, der Dumme ist stets das aufgekaufte Opfer. Bereits das alte Schering-Management hätte, als es Bayer als weißen Ritter begrüßte, den eigenen Leuten reinen Wein einschenken müssen.
Oder hat man sich dem Glauben hingegeben, es werde so schlimm nicht kommen? So wie die Schering-Spitze auch jahrelang glaubte, Schering sei allein überlebensfähig und für Aufkäufer nicht interessant. Doch Nachkarten bringt wenig, zumal vom alten Schering-Vorstand nur der Vertriebsmann heute noch Vorstandsverantwortung trägt; zuletzt ging, im Januar, der Forschungsvorstand.
Interessanter sind die Zukunftsaussichten. Und die hängen mit dem eigentlichen Unternehmenszweck zusammen. Über Stellenabbau, so hart der ist, und Finanzierung des Kaufs, so teuer der auch sein mag, geriet leider ein wenig aus dem Blick, dass das neue Unternehmen mit der Entwicklung zukunftssicherer Arzneimittel steht und fällt. Schering hat da einen guten Ruf. Dennoch, es mag vieles in der Pipeline stecken, entscheidend ist, was herauskommt.
Die alte Schering AG hat, kurz bevor sie in die Fusionsmühlen geriet, einige Enttäuschungen wegstecken müssen. Die gelegentlichen Erfolgsmeldungen aus jüngster Zeit betreffen bei genauem Hinsehen etablierte Produkte, die optimiert werden. Bei Bayer sieht das ähnlich aus. Immerhin, es gibt Nexavar. Das Krebsmedikament hat Bayer freilich hinzugekauft, ähnlich wie Betaferon bei Schering, beide Male von kleineren kreativen Firmen. Das zeigt, dass Größe nicht unbedingt für Fortschritt bürgt. Die Bayer AG oder deren Berliner Tochter sollten alsbald, etwa bei der Bayer-Haupt­ver­samm­lung am 27. April, darlegen, was der Global Player an echten Innovationen zu bieten hat.
Apropos Global Player: Dank des Kaufs von Schering spielt Bayer wieder oben mit. Eine Reihe der ganz großen Mitspieler leidet derzeit daran, dass die Patente auslaufen und der Nachschub ausbleibt. Das Fusionskarussell könnte deshalb in Kürze wieder in Gang kommen.
Norbert Jachertz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema