ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007RANDNOTIZ: Selber schuld

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RANDNOTIZ: Selber schuld

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-749 / B-661 / C-637

Gerst, Thomas

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LNSLNS Für mich gilt die Gnade der frühen Geburt, sollte ich schon bald chronisch krank werden. Für die in den vergangenen Jahren versäumten Vorsorgeuntersuchungen kann ich nicht mit der Verweigerung der auf ein Prozent abgesenkten Belastungsgrenze bei Zuzahlungen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung bestraft werden.
Aber schon bald wird es bei solchen Versäumnissen im Krankheitsfall heißen: selber schuld am Chroniker-Dasein – kein Absenken der Zuzahlungsgrenze. Das gilt laut GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz zum Beispiel für alle diejenigen, die sich bei fehlender Evidenz eines positiven Nutzen-Schaden-Verhältnisses gegen eine Mammographie oder Koloskopie entscheiden, gleichwohl aber später an Brust- oder Darmkrebs erkranken. Vorstellbar für die Zukunft ist auch der Fall eines 75-jährigen Diabetikers, der 25 Jahre zuvor zweimal den Gesundheits-Check-up versäumt hat und nun dafür die Quittung erhält.
Auf die Ärzte kommen gesundheitspolizeiliche Aufgaben zu, müssen sie doch alljährlich ihren kranken Chronikern bestätigen, sich „therapiegerecht“ verhalten zu haben. Dieser nicht näher definierte Begriff bietet Raum für Spekulationen: Was ist mit dem übergewichtigen KHK-Patienten, den der Arzt an der Imbissbude bei Bier und Pommes antrifft? Oder dem Asthma-Kranken, der beim Besuch in der Arztpraxis höchst verdächtig nach Tabakqualm riecht?
Auf die Gespräche bei der Verweigerung des Attests darf man gespannt sein. Der Patient wird den Arzt als Büttel einer Staatsmedizin wahrnehmen, an ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis ist unter diesen Umständen nicht zu denken.
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