ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Retina-Chip ermöglicht Seheindrücke

AKTUELL: Akut

Retina-Chip ermöglicht Seheindrücke

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-750 / B-662 / C-638

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Eine Option für Patienten mit degenerativen Netzhauterkrankungen bietet ein Retina-Chip, der in einer Pilotstudie von Forschern aus Tübingen geprüft worden ist. Der Chip war sieben erblindeten Patienten subretinal für fünf Wochen implantiert worden. Der etwa drei mal drei Millimeter große Mikrochip ist mit 70 µm etwa so dick wie ein menschliches Haar. Darauf sind 1 500 Photozellen samt Schaltkreisen für Verstärkung, Helligkeitsanpassung und Sicherheitsschaltung untergebracht.
Das Retina-Implantat übernehme die Funktion von abgestorbenen Sehzellen, berichtete Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner bei einer Pressekonferenz in Tübingen. Der Chip, eine Art Minisolarzelle, wird subretinal verpflanzt und erzeugt Strom aus dem einfallenden Licht. Dieser Strom wird verstärkt und an die Nervenzellen der Netzhaut übertragen. Geeignet ist das Implantat daher nur für Patienten, die früher sehen konnten und deren Sehnerven sowie die entsprechenden Hirnregionen noch intakt sind. Patienten mit Glaukom, Erkrankungen des Sehnervs, Durchblutungsstörungen der Netzhaut, Netzhautablösungen oder Blindheit durch Unfallverletzungen profitieren nicht von der neuen Technik.
Räumliche Orientierung
Erprobt wurde der Chip bei Patienten mit Retinitis pigmentosa, einer erblich bedingten degenerativen Netzhauterkrankung. Mit dem Retina-Implantat konnten die Patienten Lichtquellen wie Lampen oder Fenster erkennen und Kontraste gut wahrnehmen. Somit war es ihnen möglich, sich wieder räumlich zu orientieren. Die Forscherteams waren bei der Entwicklung der Chips vor vielfältige Fragen gestellt, die in den letzten Jahren gelöst wurden – ob sich ein Fremdkörper dauerhaft unter die Netzhaut in die Nähe der Stelle des schärfsten Sehens platzieren lässt, wie haltbar die Chip-Materialien in den Augenflüssigkeiten sind oder inwieweit die Signalstärke aus den winzigen Photodioden ausreicht, um die Nachrichtenkette ins Gehirn anzustoßen. Erforscht werden mussten auch die Schwellen für die elektrische Reizung von Sehnervenzellen.
Entwickelt wurde das Implantat, das 2009 auf den Markt kommen soll, vom Reutlinger Start-up-Unternehmen Retina-Implant. Vor den Tübinger Ärzten hatten bereits US-Forscher erfolgreich Silizium-Chips sowohl epiretinal als auch subretinal implantiert. Neu am Reutlinger Chip ist, dass er die Lichtsignale über eine Verarbeitungselektronik aktiv verstärkt und so ein kontrastreiches Bild ermöglichen soll. zyl
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