ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Europäische Hausärztevereinigung: „Wir haben uns zusammengerauft“

THEMEN DER ZEIT

Europäische Hausärztevereinigung: „Wir haben uns zusammengerauft“

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-768 / B-677 / C-651

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
„Wir bündeln unsere Interessen, um auf dem EU-Parkett schlagkräftiger auftreten zu können.“ Dr. med. Volker von der Damerau-Dambrowski. Foto: privat
„Wir bündeln unsere Interessen, um auf dem EU-Parkett schlagkräftiger auftreten zu können.“
Dr. med. Volker von der Damerau-Dambrowski.
Foto: privat
Die Europäische Hausärztevereinigung UEMO setzt sich dafür ein, die hausärztliche Versorgung und das Ansehen der Allgemeinmedizin in Europa zu verbessern.

Der Allgemeinmedizin überall in Europa zum Facharztstatus zu verhelfen, ist eines der zentralen Anliegen der Europäischen Hausärztevereinigung UEMO. Unter deren Dach sammeln sich 21 nationale Delegationen, darunter der Deutsche Hausärzteverband, um die politischen Interessen der Allgemeinärzte auf europäischer Ebene zu bündeln. In der UEMO sind Organisationen aus fast allen Ländern der Europäischen Union (EU) sowie aus Norwegen und der Schweiz vertreten.
Bis sich die UEMO-Mitglieder allerdings endlich darüber einig waren, dass europäische Allgemeinärzte grundsätzlich einen Facharzttitel tragen sollen, hatte es langwieriger Verhandlungen bedurft. „Den Durchbruch erreichten wir auf unserer Plenartagung 2002 in Florenz“, berichtet Allgemeinarzt Dr. med. Volker von der Damerau-Dambrowski. Das Mitglied des Deutschen Hausärzteverbandes ist seit 1995 in der UEMO aktiv. Seither sind sich die Delegationen einig, dass nur der Facharztstatus verhindern kann, dass Allgemeinärzte durch „Barfußmediziner“ oder Krankenschwestern ersetzt werden.
Dass zunächst nicht alle Interessenvertreter an einem Strang zogen, lag vor allem an den unterschiedlichen Weiterbildungszeiten in den einzelnen Ländern und auch daran, dass beispielsweise in Großbritannien der Hausarzt auch ohne Facharztstatus ein hohes Ansehen genießt.
Von der Damerau-Dambrowski können solch zähe Verhandlungsmarathons jedoch nicht schrecken. Dafür ist es ihm viel zu wichtig, auf EU-Ebene für die Belange deutscher Hausärzte einzutreten. „Außerdem glaube ich, dass der Berufsverband Deutscher Allgemeinärzte damals froh war, in mir einen streitbaren Aktivisten für die politische Interessenvertretung unseres Fachs gefunden zu haben“, fügt er schmunzelnd hinzu. Sein Engagement hat bereits Früchte getragen. Als Vorsitzender des Arbeitskreises „Weiter­bildungs­ordnung“ in der UEMO hat von der Damerau-Dambrowski mit dafür gesorgt, dass die Mindestweiterbildungszeit für Allgemeinärzte in Europa auf drei Jahre angehoben wurde. „In der Praxis bedeutet das, dass deutsche Allgemeinärzte nicht mit geringer qualifizierten Kollegen, die aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland migrieren, in Wettbewerb treten müssen“, so der Allgemeinarzt.
Während seiner vierjährigen Vizepräsidentschaft bei der UEMO, die im vergangenen Jahr endete, hat sich von der Damerau-Dambrowski auch dafür stark gemacht, die Arbeitsbedingungen für weibliche und angestellte Ärzte zu verbessern. „In vielen Ländern können Allgemeinärzte nur im Angestelltenverhältnis arbeiten. Das bedeutet, dass sie ihre Freizeit, Fortbildungen und Ähnliches nicht so flexibel planen können wie freiberuflich tätige Kollegen. Hinzu kommt, dass der Anteil an Frauen bei den angestellten Allgemeinärzten stetig steigt und Möglichkeiten für die Familienplanung geschaffen werden müssen“, so die Begründung für seinen Einsatz.
Der Deutsche Hausärzteverband nutzt die Mitgliedschaft in der UEMO aber auch, um von anderen Ländern zu lernen und Argumente für die Vertretung allgemeinärztlicher Interessen gegenüber Kostenträgern, Selbstverwaltung und Politik in Deutschland zu sammeln. Dies betrifft zum Beispiel den Zugang zur Versorgung und die Bezahlung der Allgemeinärzte. Denn nach wie vor sähe es der Deutsche Hausärzteverband gern, wenn auch in Deutschland wie in den meisten europäischen Ländern das Primärarztsystem eingeführt würde.
Und so wie die deutschen Hausärzte von der Mitgliedschaft ihres Dachverbandes in der UEMO profitieren, profitiert die UEMO von der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Organisationen, wie dem Ständigen Ausschuss der europäischen Ärzte, CPME. „Wir teilen nicht nur die Büroräume mit dem CPME, sondern bündeln unsere Interessen ab und an auch, um auf dem EU-Parkett schlagkräftiger auftreten zu können“, sagt von der Damerau-Dambrowski. Als Beispiel nennt er die im Jahr 2002 gemeinsam verfasste Erklärung zum Erhalt sektoraler Richtlinien, die die Freizügigkeit und die gegenseitige Anerkennung der Berufsqualifikationen und Abschlüsse von Ärzten regeln.
Petra Spielberg


kompetenzen

Die UEMO und die WONCA (internationale Fachgesellschaft für Allgemeinmedizin) definieren sechs Kernkompetenzen für das Fach Allgemeinmedizin:
- Management der primärärztlichen Versorgung
- patientenbezogene und persönliche Versorgung
- spezifische Problemlösungsfähigkeiten
- Integration unterschiedlicher medizinischer und nicht medizinischer Versorgungsangebote
- Gemeindeorientierung
- ganzheitliche Versorung.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema