ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Hochschulmedizin: Vergleich mit der Tschechoslowakei

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Hochschulmedizin: Vergleich mit der Tschechoslowakei

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-776 / B-683 / C-657

Frýdl, Vladimir

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. . . Ich denke, dass wir Mitteleuropäer uns mehr an unsere eigene historische Tradition halten, ihrer bewusst sein sollten und hauptsächlich in der Medizin nicht unbedingt übernehmen sollten, was unseren geschichtlichen Wurzeln fremd oder ihnen entgegengesetzt ist . . . Ich möchte ergänzen, dass vorübergehend auch in der Tschechoslowakei der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts die Titel „Doktor“ von den Universitäten nicht mehr verliehen wurden, sondern in Medizin der Studienabschluss von den Universitäten mit „promovaný léka Úr “ (Promovierter Arzt) bezeichnet wurde. Das Wort „promovierter“ war dazu noch widersinnig, da es in der CÚSSR keine „unpromovierten Ärzte“ gab und andere Heilkundige (vergleichbar z. B. den deutschen Heilpraktikern) nicht zugelassen waren. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand die Ärzte, die die neue „amtliche Bezeichnung“ promoviert trugen, anders angesprochen hätte als Frau oder Herr Doktor, obwohl sie de iure die „Doktor“-Würde nicht besaßen. Schon nach einigen Jahren wurden die Diplome, die die innovative Bezeichnung trugen, ab 1. Mai1966 durch zusätzliche Diplome ergänzt, die den Titel „Doktor der Medizin“ (medicinae universae doctor – abgekürzt MUDr) zubilligten und die frühere Benennung „promovaný lékarÚ “ entzogen. Dies lehrt uns, dass auch ein mehr oder weniger apodiktischer Staat sich letztendlich über die historischen Gegebenheiten mit seiner deskriptiv-innovativen Nomenklatur nicht durchsetzen konnte . . .
Dr. Dr. Vladimir Frýdl, Von-Braunmühl-Straße 7, 85540 Haar/München
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