ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1997Drogenpolitik: Ärgerlich

SPEKTRUM: Leserbriefe

Drogenpolitik: Ärgerlich

Depner, Michael

Zu dem "Seite eins"-Beitrag "Schritt ins Abseits" von Norbert Jachertz in Heft 7/1997
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LNSLNS Es ist schon recht ärgerlich, was für unausgegorene Geistesprodukte man auf Seite eins des Ärzteblattes zu lesen bekommt. Man mag ja geteilter Meinung sein, wieviel Nutzen Substitutionsprogramme in der Suchttherapie letztendlich erbringen, bei der Debatte darüber sollte man aber vermeiden, daß die Argumente, die man ins Feld führt, allzu albern klingen. Da tippt doch Herr Jachertz tatsächlich darauf, daß die Drogenbosse sich ins Fäustchen lachen, wenn Vater Staat als Abnehmer (für Heroin) auftritt. So ein Argument würde sogar so manchem beim Frühschoppen im Gasthaus "Zum strammen Ochsen" als unsinnig erscheinen, denn Heroin, so darf ich die Redaktion des Ärzteblattes aufklären, kann bereits seit den zwanziger Jahren von jedem Pharmaproduzenten für Pfennigbeträge hergestellt werden. Sie brauchen also nicht zu befürchten, daß Seehofer im Falle eines Modellversuches seine Mitarbeiter zum Einkauf des Substitutes auf die Platte schicken müßte und daß er dort dann zur Freude der Drogenbosse die Schwarzmarktpreise in die Höhe treibt.
Und wenn es schon um die Kostenfrage geht, dann scheint es mir doch eine der billigsten Lösungen zu sein, ökonomisch denkbare Wege als bequemen Ausweg zu verwerfen und mit ein paar vollmundigen Worten darüber zu klagen, daß sich der Staat kaum noch für den Ausbau teurer Therapieplätze gewinnen läßt. Daß sich teure Lösungen im Gesundheitswesen heute kaum noch durchsetzen lassen, sollte der Redaktion des Ärzteblattes bekannt sein, wenn nicht, empfehle ich Ihnen, einmal bei sich selbst nachzulesen. Deshalb ist die Klage über den mangelnden Ausbau teurer Therapieplätze besonders billig, weil jeder doch weiß, daß das wohlfeile Klagen vor leeren Kassen zu nichts anderem mehr nützt, als einen tugendhaften Eindruck zu erwecken. So ist der Artikel tatsächlich, was sein Titel verheißt: ein "Schritt ins Abseits" ernstzunehmender Diskussionsbeiträge.
Dr. Michael Depner, Königsteiner Straße 18 b, 45529 Hattingen
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