ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Birgit kahle: Nicht das Ende

KULTUR

Birgit kahle: Nicht das Ende

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-810 / B-716 / C-684

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Die Kölner Künstlerin Birgit Kahle ist nun mitten hineingesprungen in Bernd Notkes Totentanz, den Reigen der Lebenden und tanzenden Toten. Das großformatige Foto (200 × 300 cm) entstand unter Verwendung einer Abbildung des letzten Teils des zerstörten Lübecker Totentanzes, dort, wo Junggesell, Jungfrau und Wiegenkind den Abschluss der Tanzpaare bilden. Hier tanzen die potenziellen Eltern, hier werden die Kinder geboren. Es ist auffällig und ungewöhnlich, dass der lachende Tod die Jungfrau gar nicht am Körper, sondern nur an ihrem Federbusch berührt. Hier nun tanzt die Künstlerin vor der Jungfrau: Auf ihren nackten Körper wird mittels eines Diapositivs das Bild der rot gekleideten Jungfrau projiziert, beide Figuren verschmelzen miteinander. In diesem Moment entstand das vorliegende Foto. Auf eine verblüffend direkte Weise holt die Fotokünstlerin damit das alte Bildmotiv in die Jetztzeit und dokumentiert somit seine Aktualität und Gültigkeit. Totentanz hin oder Totentanz her – diese junge Frau mag vom Tod wissen, aber sie tanzt doch ganz im Hier und Jetzt des Lebens. Das Kind in der Wiege wird vom Tod überhaupt nicht berührt. Es zeigt den Fortgang des Lebens inmitten aller Sterblichkeit: Zerstörung und Tod sind nicht das Ende. Hartmut Kraft


Biografie Birgit Kahle
Geboren 1957 in Köln. Als Fotokünstlerin Autodidaktin. Mitbegründerin des Projekts „Lo Spirito del Lago“ (zusammen mit P. Gilles und G. Zanzi) auf der Isola Bella/Stresa am Lago Maggiore. Lebt in Köln und Stresa (Italien).

Literatur
Kahle B: Zwielicht. Niederrheinischer Kunstverein, Wesel 1989.
Kahle B: Licht. Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen 1995.
Kahle B: Nel profondo – In der Tiefe (zusammen mit P. Gilles, F. Greco,
F. Simonelli). Sylvana Editoriale, Mailand 2005.
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