ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Mexikanisches Hochland: Kunsthandwerk vor kolonialer Kulisse

KULTUR

Mexikanisches Hochland: Kunsthandwerk vor kolonialer Kulisse

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-812 / B-718 / C-686

Heubeck, Rainer

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Zentrum der Kolonialstadt Pátzcuaro ist die von Arkadengängen umrahmte Plaza Vasco de Quiroga. Fotos: Rainer Heubeck
Zentrum der Kolonialstadt Pátzcuaro ist die von Arkadengängen umrahmte Plaza Vasco de Quiroga. Fotos: Rainer Heubeck
Von Santa Clara de Cobre nach Pátzcuaro: aufblühender Tourismus

Etwas anderes als Kupferschmied, so beteuert der 56-jährige Rafael Zarco Soto, habe er in seinem Leben nie werden wollen. „In Europa und in den USA bezahlen die Leute viel Geld für ein Fitnessstudio, während ich sogar dafür bezahlt werde, mich körperlich fit zu halten“, meint er lachend. Obwohl er auf die „tejos“, die im Feuer erhitzten Kupferplatten, die aus eingeschmolzenen Kupferdrähten gewonnen werden, mit schweren Eisenhämmern einschlägt, schmerzt ihn bislang weder das Kreuz noch der Rücken.
Etwa 3 000 Pesos, das sind 30 Dollar, bekommt der schmächtige Mann für einen kunstvoll gefertigten Topf. „Daran arbeite ich, mit Unterbrechungen, etwa 20 bis 30 Tage“, sagt Soto, der mit seinen Arbeiten schon mehrmals beim Wettbewerb „Concurso Internacional del Cobre Martillado“ ausgezeichnet wurde. Er freut sich darüber, dass der Tourismus im mexikanischen Bundesstaat Michoacán zunimmt. „Durch die zahlreichen Besucher können wir mehr verkaufen. Dadurch geht es mir heute besser, als es meinen Eltern und Großeltern ging.“
Während in Santa Clara del Cobre fast in jeder Familie Kupferarbeiten hergestellt werden, haben sich die Orte in der Umgebung auf andere Handwerkstechniken spezialisiert. In Quiroga konzentriert man sich auf die Herstellung von Lederwaren, in Sante Fe de la Laguna werden vor allem Keramikgefäße gefertigt und in Tócuaro wetteifern fast alle Familien darum, wer die furchterregendsten Holzmasken schnitzt. „Inzwischen verkaufen wir einen Großteil unserer Holzmasken in die USA und nach Kanada“, sagt Gustavo Horta Horta, der zusammen mit seinen Söhnen einen der erfolgreichsten Schnitzereibetriebe in Tócuaro führt. Große Hoffnung setzt Gustavo in die Talente seines 21-jährigen Sohnes Neri Guadelupe Horta el Diaz, der mit acht Jahren mit der Schnitzerei begann und mittlerweile mehrere Wettbewerbe gewonnen hat.
Der Bundesstaat Michoacán war früher das Land der Tarasken beziehungsweise Purépecha, einer der wichtigsten Indianerkulturen Mexikos. Die Tarasken sind im Vergleich zu Mayas und Azteken eher unbekannt geblieben. Ein Grund dafür ist sicher, dass die architektonischen Hinterlassenschaften dieser Kultur, die von den Azteken nie unterworfen wurde, eher unspektakulär sind. In Tzimtzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt des Reiches der Tarasken, findet man Reste der Pyramidenanlage Yacatas – doch die Steinpyramiden, die gegen eine kleine Eintrittsgebühr besucht werden können, sind wenig beeindruckend.
Michoacán und das ehemalige Siedlungsgebiet der Tarasken sind heute beliebte Ausflugsziele – sowohl für Mexikaner als auch für ausländische Touristen. Die Kolonialstadt Pátzcuaro, sie war früher die erste Hauptstadt Michoacáns, lockt mit Luxushotels, charmanten Restaurants und stilvollen Gästehäusern. Auf dem von Arkadengängen umrahmten Plaza Vasco de Quiroga, dem Hauptplatz der Stadt, treffen sich häufig Folkloretänzer, ein Stück weiter blasen junge Verkäufer Seifenblasen in die Luft, und auf der Westseite des Platzes haben Künstler ihre Ölgemälde ausgestellt – keine Frage, hier lässt sich bummeln und verweilen. Nur eineinhalb Blocks weiter südöstlich ist das ohnehin beschauliche Pátzcuaro noch deutlich ruhiger. Im Casa de los Once Patios, einem früheren Nonnenkloster der Dominikaner, das einst elf Innenhöfe hatte, von denen fünf noch erhalten sind, wird in Geschäften, kleinen Werkstätten und Galerien Kunsthandwerk aus der Region verkauft. Und wer 2,50 Dollar übrig hat, kann sich in einem der schattigen Patios gleich noch eine fünfminütige Rückenmassage verpassen lassen.
Rainer Heubeck

Informationen: Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro, Taunusanlage 21, 60325 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/25 35 09, Telefax: 0 69/25 37 55, E-Mail: germany@visit
mexico.com, Internet: www.mexiko-reisetipps.de
In Tzimtzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt des Reiches der Taresken, findet man Reste der Pyramidenanlage Yacatas.
In Tzimtzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt des Reiches der Taresken, findet man Reste der Pyramidenanlage Yacatas.
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