ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Prostatakrebs: Indikationen zur adjuvanten Hormontherapie

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Prostatakrebs: Indikationen zur adjuvanten Hormontherapie

Dtsch Arztebl 2007; 104(12): A-816

Arnheim, Katharina

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LNSLNS Ein beträchtlicher Prozentsatz an Patienten mit frühem Prostatakrebs ist nach radikaler Prostatektomie oder Bestrahlung nicht geheilt: „Ein Drittel bis die Hälfte aller Männer, die wegen eines vermeintlich lokal begrenzten Prostatakarzinoms operiert oder bestrahlt werden, entwickeln innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Tumorrezidiv“, erinnerte Prof. Thomas Ebert (Fürth) bei einem Pressegespräch in Dresden.
Doch haben sich mittlerweile dank zahlreicher prospektiv-randomisierter Studien Standards für ein kombiniertes Vorgehen beim lokal fortgeschrittenen Tumor herauskristallisiert. In diesen Untersuchungen erwies sich eine neoadjuvante und/oder adjuvante Hormontherapie mit einem LHRH-Analogon – meist Goserelin (Zoladex®) – allein oder plus Antiandrogen der alleinigen lokalen Therapie als signifikant überlegen.
Adjuvante Goserelin-Gabe
Langzeitdaten zur hohen Aktivität des kombinierten Ansatzes stammen aus der vor rund 20 Jahren initiierten Studie 85-31 der Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) mit knapp 1 000 Patienten. Lebten nach zehnjährigem Follow-up nur noch 39 Prozent der lediglich bestrahlten Patienten, so konnte die Überlebensrate durch die zusätzliche zweijährige Goserelin-Therapie ab der letzten Bestrahlungswoche um absolut zehn auf 49 Prozent gesteigert werden.
Ein signifikanter Vorteil für die adjuvante Goserelin-Therapie über drei Jahre wurde auch in der EORTC (European Organisation for Research on Treatment of Cancer)-Studie 22863 demonstriert: Ohne Hormontherapie überlebten nach fünfjähriger Beobachtung nur 62 Prozent, im Kombinationsarm dagegen 78 Prozent der Patienten.
Ähnliche Daten, die für einen signifikanten Überlebensvorteil der Hormontherapie mit Goserelin sprechen, gibt es auch nach radikaler Prostatektomie. Allerdings profitierten hier nur Patienten mit histologisch belegtem Lymphknotenbefall, informierte Ebert.
Als mögliche Alternative zum LHRH-Analogon hat sich aufgrund der neuen Daten des Early-Prostate-Cancer(EPC)-Programms das Antiandrogen Bicalutamid (Casodex®) herauskristallisiert. In der dritten EPC-Analyse nach gut siebenjährigem Follow-up konnte erstmals ein Überlebensvorteil für die adjuvante Antiandrogen-Therapie belegt werden: Männer mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs, die nach Bestrahlung mit Bicalutamid (150 mg) behandelt wurden, hatten gegenüber Patienten des Placeboarms ein um 35 Prozent reduziertes Sterberisiko. Als Vorteil des Antiandrogens im Vergleich zum LHRH-Analogon nannte Ebert den Erhalt der Knochendichte und des sexuellen Interesses.
Aufgrund der Vielzahl der Studiendaten lassen sich klare Indikationen für eine adjuvante Hormontherapie formulieren. Nach radikaler Prostatektomie ist eine Hormontherapie nicht indiziert, wenn das Risiko einer Mikrometastasierung zum Operationszeitpunkt sehr klein ist. Dies gilt für Männer mit Tumoren bis zum Stadium pT3a, einem Gleason-Score < 7 und einem PSA-Wert < 20 ng/ml. Als sinnvoll bewertete Ebert die adjuvante Therapie dagegen im Stadium pT3b oder bei einem Gleason-Score > 7 oder einem PSA-Wert > 20 ng/ml; sie ist Standard bei Befall der pelvinen Lymphknoten.
In der Strahlentherapie gilt die adjuvante Hormontherapie bei den meisten lokal fortgeschrittenen Karzinomen heute als Standard, wobei drei Monate vor Bestrahlung neoadjuvant und mit Beginn der Strahlung weitere zwei Jahre adjuvant behandelt wird. Ob für die adjuvante Therapie nach Radiatio ein LHRH-Analogon oder Bicalutamid gewählt wird, sollte einmal vom Patientenwunsch abhängig gemacht werden, sagte Ebert. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Alter: „Je jünger der Patient, das heißt, je länger er voraussichtlich hormonell behandelt wird, umso eher sollte man das Antiandrogen wählen, da es der Osteoporose keinen Vorschub leistet“, empfahl der Urologe.
Dr. med. Katharina Arnheim

Pressegespräch „10 Jahre Zoladex und Casodex – eine Standortbestimmung“ in Dresden, Veranstalter: AstraZeneca
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