ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2007Ärzte-Schach: Lieber Bananen

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Lieber Bananen

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Über 98 Prozent des Genoms sollen bei Mensch und Affe identisch sein. Dennoch ist von einer Affinität der Affen zum Schachspiel wenig bekannt – jeder kluge Affe wird eine leckere Banane einem hölzernen Springer vorziehen, nun vielleicht auch jeder halbwegs kluge Mensch. Auch Selbstbeschuldigungen wie „Die Eröffnung habe ich wie ein Affe gespielt“ oder die Affenschar bei einem Open in Gibraltar, die einem auf dem Hotelbalkon analysierenden englischen Spieler interessiert zusah, deuten nicht notwendigerweise hin auf eine nähere Beziehung unserer nächsten Verwandten im Tierreich zum „juego ciencia“, wie die Spanier Schach schon einmal stolz bezeichnen. Auch der Wahrheitsgehalt der folgenden Anekdote ist nicht sicher verbürgt. Laut dieser besuchte ein junger Engländer den stärksten Schachspieler des 18. Jahrhunderts, den Franzosen André Philidor, der auch einer der herausragenden Komponisten seines Jahrhunderts war, um mit diesem eine Partie Schach zu spielen. Nun waren diesem solche Wünsche nicht immer angenehm, weshalb er einem Affen das Schachspiel beibrachte, der ihn gegen schwächere Gegner ab und zu vertreten sollte. Philidor entschuldigte sich mit Kompositionsarbeit und bat den Gast, doch mit seinem Affen vorliebzunehmen, was dieser nach einigem Zögern auch tat. Aber plötzlich hörte Philidor Lärm im Nebenzimmer und fand den Affen verängstigt auf dem Schrank. Der verlegene Gast entschuldigte sich mit den Worten: „Ich verlor, nie hätte ich gedacht, dass ein Affe so gut Schach spielen kann. Als er mich matt setzte, habe ich ihm unwillkürlich eine Ohrfeige gegeben. Ich werde dies nie wieder tun, rufen Sie den Affen doch bitte herunter.“ Nach gutem Zureden ließ sich der Affe schließlich zu einer zweiten Partie bewegen, vorsichtshalber blieb Philidor allerdings diesmal im Zimmer. Aber plötzlich flüchtete der Affe mit einem Satz wieder auf den Schrank. Der junge Engländer meinte verdutzt zu Philidor: „Aber ich habe ihm diesmal doch gar nichts getan!“ Worauf Philidor die Stellung kurz betrachtete und sagte: „Sehen sie, diesmal hat er nicht auf die Ohrfeige gewartet, denn Sie sind in drei Zügen matt.“
An all das musste ich denken, als ich vor einiger Zeit einen Brief von Dr. med. Horst Ortmann aus dem württembergischen Gersthofen bekam, der von einer Reise eine Karte mit den „Schach spielenden Affen“ (um 1330) vom Naumburger Dom beilegte und anmerkte, dass laut einer Legende aus der Reformationszeit der Landesfürst ausgerufen haben soll: „Eher lasse ich Affen Schach spielen, als dass der Naumburger Dom protestantisch wird!“ Nur hätten dafür die Affen 200 Jahre zu viel auf dem Buckel, wie Dr. Ortmann anfügt.
Wie auch immer, genug von Affen, kurz vor dem nächsten Ärzteschachturnier vom 23. bis 25. März in Bad Homburg noch ein letzter Blick zurück aufs letzte und garantiert rein menschliche Schach.
Mit welch schönem Opferzug (!) setzte Dr. med. Lorenz Pausch als Weißer seinem Gegner Dr. med. Ralf Knickrehm die Pistole auf die Brust: matt oder Damenverlust?!


Lösung:
Mit dem Läuferopfer 1. Lh8! (viel besser als 1. Lxf8) machte Weiß das Feld g7 frei zum Mattsetzen für seine Dame. Gegen das drohende Matt hülfe nur das letztlich sinnlose Damenopfer 1. . . . Dg6, weshalb Schwarz gleich aufgab.
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