ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2007Pharmamarketing: Gescheiterte Transparenzinitiative

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Pharmamarketing: Gescheiterte Transparenzinitiative

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Für die American Medical Association sind Geschenke von Pharmafirmen unethisch, wenn der Wert 100 US-Dollar überschreitet. Um die Motivation der Ärzte zu fördern, haben mehrere US-Staaten beschlossen, alle Zuwendungen an Ärzte öffentlich zu machen. Eine Analyse im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 1216–23) zeigt, dass beide Initiativen gescheitert sind. Viele Ärzte halten die Empfehlung ihrer Verbände nicht für bindend, und die Firmen hüten sich in den meisten Fällen, diese Gelder offenzulegen.
In den US-Staaten Kalifornien, West Virginia, im District of Columbia (Hauptstadt Washington), in Maine sowie in Minnesota und in Vermont ist die Pharmaindustrie gesetzlich verpflichtet, ihre finanziellen Zuwendungen an Ärzte zu veröffentlichen. Doch die Gesetze haben nach Ansicht von Joseph Ross von der Mount Sinai School of Medicine in New York nicht gefruchtet. Der Mediziner analysierte die öffentlich verfügbaren Daten aus Vermont und Minnesota und stellte fest, dass die Industrie die meisten Spenden (61 Prozent in Vermont) als Geschäftsgeheimnis verschwieg. Zudem war bei den meisten veröffentlichten Angaben (75 Prozent) der Empfänger nicht zu ermitteln.
Zufall oder Verquickung?
In Vermont hat es in einem Zeitraum von drei Jahren unter den 12 227 Zahlungen
2 416 Zahlungen von mehr als 100 US-Dollar gegeben, auf die eine Million von 2,18 Millionen US-Dollar Gesamteinsatz entfielen. In Minnesota waren es 6 238 Verstöße mit einem Volumen von 22 Millionen von 31 Millionen US-Dollar. Einige Ärzte hatten hohe Summen erhalten: In Vermont waren es bis zu 20 000 US-Dollar, in Minnesota betrug die höchste Zahlung fast 1,2 Millionen US-Dollar. Es handelte sich um Honorare für Vorträge, Beraterverträge und auch um die Finanzierung von Forschungsvorhaben.
Der New York Times fiel es nicht schwer, den Spitzenempfänger in Minnesota zu ermitteln: Allen Collins, ein Nephrologe von der Universität von Minnesota, hatte offenbar erfolgreich Forschungsgelder für die Minneapolis Medical Research Foundation eingeworben. Collins ist aber auch Vorsitzender der National Kidney Foundation. Diese hatte im Mai 2006 eine Therapie-Leitlinie zur renalen Anämie herausgegeben, in der der Hämoglobin-Zielwert auf 11 bis 13 g/dl heraufgesetzt wurde – was eine gesteigerte Verordnung von rekombinanten Erythropoetin-stimulierenden Substanzen nach sich zieht. Rüdiger Meyer

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