ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2007Embryonenforschung: Ein starkes Stück
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. . . Völlig im Sinn einer humanitären Ethik bemüht sich die naturwissenschaftliche Medizin, kranken Menschen mit embryonalen menschlichen Stammzellen zu helfen. Dagegen haben Ethiker ihr Veto eingelegt, weil embryonale Zellen schon „schutzwürdige Menschenwesen“ seien, deren Recht auf Leben ganz im Sinn des Urteils unseres Bundesverfassungsgerichts nicht gegen das Leben kranker Menschen aufgerechnet werden dürfe. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht auch schon einmal umgekehrt argumentiert. Das war bei der Frage des Schwangerschaftsabbruchs. Würde er illegal bleiben, entschied unser hohes Gericht damals, dann möge zwar das eine und andere ungeborene Leben gerettet werden, es würde aber das Leben der Schwangeren gefährdet, die in der Illegalität beim Kurpfuscher abtreiben ließen, und laut Statistik sei die Zahl der gefährdeten Schwangeren größer als die der geretteten Kinder. – Darauf erwidern Ethiker, das sei zwar eine gewisse moralische Nachlässigkeit, aber doch kein Argument, embryonale Stammzellen nicht als schutzwürdige Menschenwesen anzusehen. Aber damit argumentieren sie nicht mehr kompetent auf ethischer Ebene, sondern auf biologischem Laienniveau. Denn eine embryonale Stammzelle besitzt das biologische Potenzial, ein Mensch zu werden, ausschließlich im mütterlichen Uterus, aber nicht mehr im Reagenzglas, wenn keine Mutter da ist. Einen lebenden und leidenden Menschen mit einer embryonalen Stammzelle im Reagenzglas zu vergleichen und beiden das gleiche Recht auf Leben zuzusprechen, obwohl diese embryonale Stammzelle nie ein Mensch werden kann, für den allein ethische Maßstäbe gelten, das ist schon ein starkes Stück . . .
Prof. Dr. Dr. Hans E. Müller,
Alter Rautheimer Weg 16, 38126 Braunschweig
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