SUPPLEMENT: PRAXiS

Anlageberatung: Do it yourself

Dtsch Arztebl 2007; 104(13): [14]

Rombach, Reinhold

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Foto: Photothek
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Was etwa beim Heimwerken gang und gäbe ist – eigenhändig zur Tat zu schreiten –, kann sich der Anleger in Geldangelegenheiten kaum vorstellen.

Dieser Tage packte meinen Freund Fred das kalte Grausen. Zwei Banker hatten sich angesagt und wollten mit ihm sein Depot „besprechen“. Fred hat es auch besonders schlecht getroffen, ist er doch Kunde bei der Hypovereinsbank, die in den letzten Jahren von Fusionen und Übernahmen geprägt ist. „Jedes Mal, wenn sich was änderte, haben mich zwei neue Depotbetreuer besucht und alles umgekrempelt, und jedes Mal hat mir das herbe Verluste eingebracht“, schimpfte mein Freund, um sich dann doch gottergeben dem unvermeidlichen Elend der Depotumschichtung zu ergeben.
Gottergeben, ja, das ist der richtige Ausdruck für das Verhalten mancher Anleger. Schon wenn sie die kathedralenähnlichen Hallen der Banken betreten, ist es vorbei mit der eigenen Meinung, und die furchtsame Sparerseele lauscht den Einflüsterungen des Beraters, als verkünde dieser ihm selbstloses Hosianna. Am Ende des Gesprächs hat der Kunde genau das ins Depot gepackt bekommen, was der Berater lobpreiste – seien es Fonds, Aktien, Zertifikate oder steuersparende Filmfonds.
Dabei gibt es in der Realität Gründe zuhauf, der vermeintlichen Selbstlosigkeit der Banken zu misstrauen. Viele Kunden mussten in der Vergangenheit bereits die leidvolle Erfahrung machen, dass es Banken oft genug nur darauf ankommt, die Produkte an den Mann zu bringen, die hohe Provisionen einbringen. Das gilt nicht zuletzt für Investmentfonds, bei denen offene und versteckte Kosten an der Substanz zehren. Wie anders ist es zu interpretieren, dass der Bundesgerichtshof jüngst urteilte, dass alle Provisionszahlungen an die Banken offengelegt werden müssen.
Umsonst ist nichts
Darüber hinaus gibt es jede Menge Investoren, denen unverdauliche Steuersparobjekte verkauft wurden, die heute wie Blei an ihren Besitzern hängen – sei es, weil der Fiskus angebliche Steuervorteile einkassiert hat, sei es, weil die Immobilie oder Beteiligung unverkäuflich und nicht so werthaltig ist, wie es die Hochglanzprospekte suggerierten. Und wieder haben Initiatoren und Banken Kasse gemacht und waschen heute ihre Hände in Unschuld; hat doch der Kunde alles unterschrieben, was erforderlich war, um die Institute aus jedweder Haftung zu nehmen.
Aber auch in Sachen Börse sind manche Kunden nicht gut auf ihre Banken zu sprechen. Kaufempfehlungen habe es zuhauf gegeben, in Haussephasen sei die Stimmung immer weiter angeheizt worden, gewarnt habe kaum jemand, und so seien etliche Anleger immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt worden.
Nun gehört Schimpfen und Anderen-die-Schuld-Geben zum Handwerkszeug vieler Leute, und letztlich führt auch die eigene Gier dazu, auf überzogene Renditeversprechungen oder aufgepeppte Zertifikate hereinzufallen. Dennoch ist die Kritik berechtigt – wenn es auch Berater mit redlichen Absichten gibt. Natürlich darf, wer sich um nichts kümmern will, weiterhin seiner Bank vertrauen. Aber es muss ihm klar sein: Umsonst ist nichts. Die Bank schneidet sich immer ein Stück vom Vermögenskuchen ab. Gleichwohl gibt es keinen Anlass, frustriert zu sein und sich in sein Schicksal zu fügen. Es finden sich genügend Möglichkeiten, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen – ohne dass die Qualität der Geldanlage darunter leidet, ganz im Gegenteil:
Wer sich über hohe Kosten eines Fonds ärgert, weil das Fondsvermögen möglicherweise zu oft umgeschlagen wird, kann sich seinen eigenen privaten Fonds zusammenstellen. Das zu beherzigende Motto lautet: „Schichte wenig um und produziere ansonsten möglichst geringe Kosten.“ Es ist keine Kunst, sich ein spesengünstiges Online-Depot zuzulegen, etwa bei der comdirect bank, und sich mit regelmäßigen Sparraten ein persönliches Aktiendepot aufzubauen: nicht mehr als fünf bis sechs Werte, um den Überblick nicht zu verlieren. Mit freien Geldern können dann etwa Bayer, Siemens, Allianz, Linde, Philips und Lufthansa gekauft werden. Sie werden überrascht sein, dass Sie nach etwa zwölf Jahren viele Fonds aus dem Feld geschlagen haben.
Festgeldjäger, die alle drei Monate die Bank wechseln, können das auch weiterhin tun. Wem das zu lästig ist, steht sich mit dem Kauf von Floatern renditemäßig mindestens so gut. Floater sind Anleihen, bei denen die aktuelle Verzinsung dem Kapitalmarktniveau angepasst wird und bei denen in der Regel daher kein Kursrisiko besteht. Wichtig ist hier nur, auf Qualität zu achten und nur Floater von guten Adressen, etwa Hypothekenbanken, zu kaufen.
Aufwand, der lohnt
Bundesschatzbriefe sind übrigens überhaupt nicht langweilig. Richtig ist, dass die Zinsen nicht üppig sind, aber für Papiere ohne Risiko rentieren sie sich eben genau richtig. Banken verkaufen diese Produkte nicht, weil sie daran kaum etwas verdienen. Aber auch hier lassen sich noch Kosten sparen. Früher ließen sich clevere Anleger bei der Bundesschuldenverwaltung registrieren, heute heißt diese vornehmer „Bundeswertpapierverwaltung“ – es kommt aber auf dasselbe heraus: Das Depot wird kostenfrei geführt.
Wem der Sinn dagegen mehr nach Immobilien steht, muss sich nicht unbedingt mit teuren Anlageprodukten herumschlagen, bei denen die weichen Kosten erheblich zu Buche schlagen. Sich an einer öffentlichen Versteigerung bei Amtsgerichten vor Ort zu beteiligen, ist durchaus erwägenswert. Es sind dort immer wieder Schnäppchen zu ergattern.
Selbermachen bedeutet: mehr Engagement, mehr Nachlesen, mehr Abwägen der Chancen und Risiken, mehr Bescheidenheit, sich weniger auf andere verlassen – also mehr Arbeit und mehr zeitlichen Aufwand. Aber lohnenswert ist es allemal. Reinhold Rombach (Börsebius)
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