ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Nordrhein-Westfalen: Die Gesundheitsbranche als Hoffnungsträger

POLITIK

Nordrhein-Westfalen: Die Gesundheitsbranche als Hoffnungsträger

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-913 / B-815 / C-779

Flintrop, Jens

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„Gewaltige wirtschaftliche Potenz“ – Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hofft auf bis zu 200 000 neue Arbeitsplätze bis 2017 in der Gesundheitswirtschaft. Foto: Susanne Schmidt-Dominé
„Gewaltige wirtschaftliche Potenz“ – Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hofft auf bis zu 200 000 neue Arbeitsplätze bis 2017 in der Gesundheitswirtschaft. Foto: Susanne Schmidt-Dominé
Im bevölkerungsreichsten Bundesland soll ein Netzwerk Gesundheitswirtschaft entstehen. Vorbild sind die National Institutes of Health in den USA.

Nachdem das Gesundheitswesen jahrzehntelang vor allem als Kostentreiber wahrgenommen wurde (dem eine plumpe Kostendämpfungspolitik entgegengesetzt wurde), verweisen inzwischen immer mehr Politiker auf die großen Wachstumschancen der beschäftigungsintensiven Branche. So auch Jürgen Rüttgers (CDU) beim Gesundheitskongress des Westens: „In der Gesundheitswirtschaft liegt ein unglaubliches Potenzial“, betonte der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) am 28. März in Essen. Bis zu 200 000 neue qualifizierte Arbeitsplätze könnten bis 2017 allein in NRW in diesem Sektor entstehen – „wenn wir uns die gewaltige wirtschaftliche Potenz von Medizin und Innovation zunutze machen“.
Ein wichtiger Träger des
Strukturwandels
Bereits heute arbeiten im bevölkerungsreichsten Bundesland knapp 15 Prozent aller Beschäftigen in der Gesundheitswirtschaft. Das sind mehr als eine Million Menschen. Tendenz stark steigend: Allein in den vergangenen sechs Jahren sei die Anzahl der Beschäftigten um mehr als acht Prozent gestiegen, erläuterte Rüttgers. Damit ist die Gesundheitsbranche ein wichtiger Träger des Strukturwandels im Ruhrgebiet.
Die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf will NRW zu einem der führenden Gesundheitsstandorte in Europa ausbauen. Ein wichtiger Baustein der Strategie ist dabei der Aufbau eines neuen Netzwerks Gesundheitswirtschaft. Vorbild sind die National Institutes of Health (NIH) in Maryland/USA, die Rüttgers im Februar 2006 besichtigte. Dort betreiben 27 Institute unter dem Dach des NIH Grundlagenforschung im großen Stil – und das sehr erfolgreich.
„Wir haben in Nordrhein-Westfalen alle Voraussetzungen dafür, etwas Vergleichbares zu erreichten“, unterstrich Rüttgers. In Nordrhein-Westfalen konzentrierten sich drei Fraunhofer-Institute für angewandte Wissenschaften, zwei international anerkannte Max-Planck-Institute und zwei nationale Forschungszentren auf die Medizintechnik. Von den 63 Technologiezentren hätten acht eine medizinische Ausrichtung. Mit der Medica finde zudem die weltgrößte Medizinmesse in NRW statt. Der Ministerpräsident: „Wir können das alles so vernetzen, wie es die NIH in den USA machen.“ Das NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­terium erarbeite derzeit das entsprechende Konzept „Exzellenzen in der Gesundheitswirtschaft“, mit dem die Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Einrichtungen des Gesundheitswesens im Land eng vernetzt und die Ressourcen gebündelt werden sollen.
Fachhochschule für Berufe
im Gesundheitswesen
Auch um die Ärztinnen und Ärzte von Aufgaben zu entbinden, „die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben“ (Rüttgers), erwägt das Land Nordrhein-Westfalen, eine Fachhochschule für Berufe im Gesundheitswesen zu gründen. Es sei ein Unding, dass Ärztinnen und Ärzte mehr als 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und Bürokratie verschwendeten, sagte der Ministerpräsident. Einen Teil der heute ärztlichen Tätigkeiten könnten Pflegekräfte übernehmen. Denkbar sei dabei auch, dass beispielsweise in der Wundversorgung ausgebildete Pflegekräfte Medikamente in diesem Bereich abgeben dürften. Die Gründung einer Fachhochschule für Gesundheitsberufe schaffe darüber hinaus bessere Aufstiegschancen für hoch qualifizierte Mitarbeiter in Bereichen wie der Pflege, der Physiotherapie oder der Logopädie.
Der Gesundheitskongress des Westens soll künftig jährlich in Essen stattfinden. Schwerpunkte sollen insbesondere die Bereiche E-Health, Prävention und Krankenhausversorgung sein. Organisator des Kongresses ist der frühere Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink, der in Berlin, Hamburg und München bereits vergleichbare Veranstaltungen vermarktet – offenbar mit Erfolg. Die Branche boomt, auch für die Berater.
Jens Flintrop
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