ArchivDeutsches Ärzteblatt14/200750 Jahre Ludwig Sievers Stiftung: Den Blick nach vorn

POLITIK

50 Jahre Ludwig Sievers Stiftung: Den Blick nach vorn

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-920 / B-821 / C-784

Rieser, Sabine

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LNSLNS Freiberufler sehen nicht nur Einengungen, sondern auch Chancen für ihre Aufgabenfelder.

Die Zeiten waren überwiegend ungut, in denen Ludwig Sievers für die Freiheit des Ärztestandes und darüber hinaus für die Freiheit derjenigen, die wir heute als die klassischen freien Berufe bezeichnen, gestritten hat.“ Daran erinnerte Dr. jur. Jürgen W. Bösche, Vorsitzender der Ludwig-Sievers-Stiftung, 1987 im Deutschen Ärzteblatt aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Stiftung. Und heute? Gemischt fielen Bestandsaufnahme und Ausblick der Freiberufler aus, die das Stiftungskuratorium und der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) zum 50-jährigen Jubiläum am 27. März nach Berlin eingeladen hatte. Manche Klage der Freiberufler sei älter, als man meine, betonte Dr. jur. Bernhard Dombek, Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. Eine vermeintlich zu hohe Zahl von Anwälten beispielsweise sei schon Ende des 19. Jahrhunderts thematisiert worden, sagte er mit Verweis auf eine Festschrift des Jahres 1888.
Die Zukunft der freien Berufe werde auch davon abhängen, „wie wir uns als Berufsträger verhalten“, befand Hartmut Kilger, Präsident des Deutschen Anwaltvereins. Als Beispiel führte er das Recht von Mandanten auf Verschwiegenheit an. Diese Schweigepflicht werde zuweilen von Anwälten „durch unbedachte Handlungen bis hin zu Mandantenlisten“ missachtet.
Im Gesundheitswesen sei die Einengung freiberuflicher Spielräume wohl am größten, konstatierte Dr. med. Kuno Winn, Vorsitzender des Hartmannbundes. So werde durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz stark „der Unselbstständigkeit von Kollegen das Wort geredet“. Als weitere Beispiele führte Winn die Pflichtfortbildung und die Honorarsituation an. BFB-Präsident Dr. med. Ulrich Oesingmann hingegen verwies darauf, dass die freien Berufe nicht nur mit politischer Gegnerschaft konfrontiert seien, sondern auch mit immer neuen Aufgabenfeldern. Dieter Ulrich, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, forderte schließlich, die Freiberufler müssten sich stärker in nationalen und europäischen Gremien und Parlamenten engagieren. Nur dann könnten sie auch etwas in eigener Sache bewegen.
Sabine Rieser

Eine gekürzte Fassung des Vortrags von Prof. Dr. Winfried Kluth, Halle, zur „Zukunft der Freien Berufe in der globalisierten Dienstleistungsgesellschaft“, den er zum Jubiläum gehalten hat,
erscheint demnächst im Deutschen Ärzteblatt.


Die Stiftung

Foto: Archiv
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An seinem 70. Geburtstag, dem 27. März 1957, errichtete der niedersächische Arzt Dr. med. Ludwig Sievers die später nach ihm benannte „Stiftung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung über Wesen und Bedeutung der freien Berufe“ in Hannover. Sie fördert seitdem in einer Schriftenreihe Arbeiten auf dem Gebiet der freien Berufe, unterstützt junge Wissenschaftler, die in diesem Themenbereich tätig sind, und vergibt Fördermittel für Gutachten.
Sievers hatte sich in den 50er-Jahren einen Namen als Verfechter ärztlicher Freiberuflichkeit gemacht. Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Landesstellen der KVen (der heutigen KBV) engagierte er sich für ein eigenes Gesetz zum Kassenarztrecht. Damit sollten die Vertragsbeziehungen zwischen Krankenkassen und Ärzten nach dem Krieg wieder gesetzlich legitimiert und klar geregelt werden. Das Ziel von Sievers und seinen Mitstreitern war es, die Abhängigkeit der Ärzte von freiwilligen Zugeständnissen der Kassen, zum Beispiel in Honorarfragen, zu beenden.
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