ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Qualitätssicherung: AOK überprüft Krankenhäuser

POLITIK

Qualitätssicherung: AOK überprüft Krankenhäuser

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-922 / B-824 / C-786

Rabbata, Samir

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LNSLNS Die Allgemeinen Ortskrankenkassen rüsten sich für das Vertragsgeschäft mit den Leistungserbringern und kontrollieren dafür systematisch die Behandlungsqualität von Kliniken. Das Projekt kann auch als Blaupause für die ambulante Versorgung dienen.

Die Behandlungsqualität in Krankenhäusern lässt sich nach Einschätzung des AOK-Bundesverbandes mit weniger Bürokratie sicherstellen, als dies bislang der Fall ist. Dies schließt der Verband aus ersten Ergebnissen seines seit 2002 laufenden Projektes „Qualitätssicherung der stationären Versorgung mit Routinedaten“, das die AOK zusammen mit ihrem wissenschaftlichen Institut (WIdO) und den Helios-Kliniken entwickelt hat.
Dafür werten Fachleute des WIdO anonymisierte Abrechnungsdaten aller AOK-Krankenhauspatienten aus. Der Datensatz ist gewaltig. Insgesamt stehen dem WIdO pro Jahr Informationen von mehr als 25 Millionen Versicherten mit rund sechs Millionen Kranken­haus­auf­enthalten zur Verfügung. Analysiert werden unter anderem Angaben zu Zeitraum, Diagnosen und Prozeduren von Krankenhausbehandlungen.
Der AOK-Bundesverband hofft, dass sich mit der Auswertung der den Kassen ohnehin vorliegenden Routinedaten eine Qualitätssicherung durchsetzt, die mit geringem bürokratischen Aufwand auskommt. „Es muss gelingen, die derzeit dominierenden Verfahren der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung zu entschlacken“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, bei der Vorstellung der Projektergebnisse.
Aus den bereits ausgewerteten Daten des Jahres 2003 lässt sich beispielsweise ablesen, dass Patienten nach einem Herzinfarkt durchschnittlich zehn Tage im Krankenhaus blieben. Allerdings mussten zwei Drittel dieser Patienten binnen eines Jahres erneut in die Klinik. Für Knieoperationen ergab die Untersuchung, dass in 13 Prozent der Fälle Komplikationen auftraten.
Bei Hüftoperationen mussten knapp drei Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres erneut unters Messer. Dabei vergleicht das WIdO auch, welche Kliniken besonders gut und welche auffallend schlecht abschnitten. „Da die Patientenstruktur in den Krankenhäusern sehr unterschiedlich sein kann, wurde Wert auf ein zuverlässiges Verfahren gelegt“, betonte WIdO-Experte Günther Heller. So seien zum Beispiel Geschlecht, Alter sowie Begleiterkrankungen der Patienten in die Untersuchung mit einbezogen worden.
Die AOK bezeichnet das Projekt als „Dienstleistung für die Krankenhäuser“. Zumindest die an der Entwicklung beteiligten Helios-Kliniken nehmen dieses Angebot gerne an. „Das Projekt ist ein großer Schritt hin zu mehr Transparenz im Leistungsgeschehen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Helios-Kliniken, Ralf Michels. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert hingegen die Qualitätsoffensive der AOK. Grundsätzlich seien Initiativen für mehr Qualität und Transparenz zu begrüßen, doch müsse die Validität der in dem Projekt erhobenen Daten hinterfragt werden, so die DKG. Vor allem wegen der besonderen Versichertenstruktur der AOK sei die Repräsentativität der Analyse zu bezweifeln.
Ungeachtet dessen will die AOK ihr Projekt auch als Kontrollinstrument für das Vertragsgeschäft mit den Leistungserbringern nutzen. „Die Bedeutung der Methode kommt erst dann voll zum Tragen, wenn der Krankenhausbereich künftig stärker wettbewerblich ausgerichtet wird“, sagte von Stackelberg. So könne man beispielsweise vor Vertragsabschlüssen über Hüftendoprothesen diejenigen Kliniken identifizieren, die eine möglichst geringe Komplikationsrate auch nach dem stationären Aufenthalt aufweisen.
Übertragen lässt sich die Auswertung von Routinedaten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung auch auf den ambulanten Bereich. „Die Grundidee können wir bei niedergelassenen Ärzten ebenso anwenden wie bei Krankenhäusern“, sagte Dr. Wulf-Dietrich Leber, der beim AOK-Bundesverband für den Geschäftsbereich Gesundheit zuständig ist. Um aussagekräftige Informationen zu erhalten, sei aber eine hohe Fallzahl notwendig. Gut vorstellbar sei es deshalb, dass man sich künftig die Routinedaten von Ärztenetzen genauer ansehe, so Leber.
Patienten können voraussichtlich schon vom nächsten Jahr an direkt von der Initiative profitieren. So plant die AOK, ihren Versicherten aufbereitete Informationen zur Ergebnisqualität von Behandlungen zur Verfügung zu stellen und Klinikvergleiche zu veröffentlichen. Helios-Chef Michels ermutigte die Krankenhäuser, einer Veröffentlichung ihrer Daten zuzustimmen. Nur so könne die Qualität zum Nutzen der Patienten nachhaltig verbessert werden.
Samir Rabbata
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