ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Stellenwert von Neuraminidase-Hemmern in der Prophylaxe und Therapie der Influenza: Sprachliche Unklarheiten

MEDIZIN: Diskussion

Stellenwert von Neuraminidase-Hemmern in der Prophylaxe und Therapie der Influenza: Sprachliche Unklarheiten

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-966 / B-859 / C-820

Krüger, Detlev H.

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LNSLNS Die Autoren vermitteln einen kritischen Blick auf die mögliche Effizienz von Influenzavirus-Hemmstoffen im Falle einer Pandemie. Leider schmälert die unklare Benutzung medizinischer Termini die Aussagen der Übersicht. So war in den erwähnten Studien sicherlich nicht die Beeinflussung der Influenza-Mortalität (Sterbefälle pro Population), sondern der Letalität (Sterbefälle pro Erkrankte) Gegenstand der Betrachtung. Der im angloamerikanischen Schrifttum oft irreführend benutzte Begriff „mortality“ (anstelle von „case fatality“) wird immer wieder unkritisch ins Deutsche übernommen, so auch durch diese Autoren.
Die Entstehung humanpathogener Influenzaviren auf der Basis zirkulierender aviärer Virusstämme muss zudem nicht ausschließlich durch Mischinfektion von Zellen mit verschiedenen Virusvarianten und ihr genetisches Reassortment geschehen. Auch hier gibt es in der Arbeit übrigens wieder sprachliche Unklarheiten, wenn die Autoren vom „Zusammentreffen einer hochpathogenen mit einer sehr virulenten Virusvariante“ sprechen. Es ist außerdem inzwischen bekannt, dass auch Punktmutationen in bestimmten viralen Genen ein primär aviäres Influenzavirus zur Vermehrung im menschlichen Organismus befähigen können.
Die Übersicht macht zu Recht deutlich, dass man vom Einsatz der Influenzavirus-Hemmstoffe im Pandemiefall keine „Wunder“ erwarten kann. Andererseits sollten auch die Autoren zustimmen können, dass im Fall des Ausbruchs einer Influenzapandemie – bei dann sicherlich nicht sofort ausreichender Verfügbarkeit effizienter Impfstoffe – der Einsatz von Virushemmstoffen zusammen mit expositionsprophylaktischen Maßnahmen die einzige Möglichkeit ist, der Ausbreitung der Infektion zu begegnen. Er ist deshalb zu Recht eine wichtige Säule der Nationalen Pandemieplanung.

Prof. Dr. med. Detlev H. Krüger
Institut für Medizinische Virologie
Helmut-Ruska-Haus
Charité Campus Mitte
10098 Berlin

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