ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Stellenwert von Neuraminidase-Hemmern in der Prophylaxe und Therapie der Influenza: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Stellenwert von Neuraminidase-Hemmern in der Prophylaxe und Therapie der Influenza: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-966 / B-859 / C-820

Tröger, Uwe; Bode-Böger, Stefanie M.

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LNSLNS Entgegen der Meinung des Kollegen Krüger ist der Terminus Mortalität sowohl international als auch im deutschen Sprachraum im Zusammenhang mit klinischen Studien durchaus allgemein anerkannt. Er charakterisiert den Gesamteffekt einer Pharmakotherapie oder auch anderer therapeutischer Interventionen auf die Überlebensrate. Die Bezugsgröße ist dabei in jedem Fall die Studienpopulation, die Mortalität ist der klinische Zielparameter mit dem höchsten Grad an Evidenz, weil sie objektiv zu erheben ist und das Nutzen/Risiko-Verhältnis einer Arzneimitteltherapie am genauesten beschreibt. Ein solcher klinischer Endpunkt ist Surrogat-Parametern wie „Zahl der Krankenhausenweisungen“, „Tage bis Symptomfreiheit“ und ähnliches unbedingt vorziehen, weil diese die Risiken einer Therapie verschleiern können.
Beispielhaft sei hier die CAST-Studie (1) erwähnt. In dieser führte die Behandlung mit bestimmten Antiarrhythmika bei Patienten nach Myokardinfarkt und mit ventrikulären Extrasystolen zwar zu einer Normalisierung des Herzrhythmus (Surrogat), die Mortalität war in den Interventionsarmen jedoch signifikant erhöht. Vor dem Hintergrund ungeklärter Todesfälle bei japanischen Kindern (2) und einem geplanten Masseneinsatz im Pandemiefall sollten Studien mit dem klinischen Endpunkt Mortalität auch für Neuraminidase-Hemmer eigentlich als zwingend notwendig erachtet werden.
Wir stimmen dem Kollegen Krüger zu, dass natürlich auch Punktmutationen das Virus-Genom derart verändern könnten, dass primär aviäre Formen hochgradig humanpathogen werden könnten. Der Hauptfokus des Artikels lag auf der Beurteilung der klinischen Studiendaten zu den Neuraminidase-Hemmern. Basierend auf diesen Daten bleibt dem Resümee, das besagt, dass der wirksame Einsatz in Pandemiefall und die Anlage von großen staatlichen Depots zu hinterfragen bleibt, nichts hinzuzufügen.


Dr. med. Uwe Tröger
Prof. Dr. med. Stefanie M. Bode-Böger
Institut für Klinische Pharmakologie
Otto-von-Guericke Universität
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
E-Mail: uwe.troeger@medizin.uni-magdeburg.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Echt DS, Liebson PR, Mitchell LB, Peters RW, Obias-Manno D, Barker AH et al.: Mortality and morbidity in patients receiving encainide, flecainide, or placebo. The Cardiac Arrhythmia Suppression Trial. N Engl J Med 1991; 324: 781–8. MEDLINE
2.
N.N.: Oseltamivir: cutaneous and neurological adverse effects in children. Prescrire Int 2006; 15: 182–3. MEDLINE
1. Echt DS, Liebson PR, Mitchell LB, Peters RW, Obias-Manno D, Barker AH et al.: Mortality and morbidity in patients receiving encainide, flecainide, or placebo. The Cardiac Arrhythmia Suppression Trial. N Engl J Med 1991; 324: 781–8. MEDLINE
2. N.N.: Oseltamivir: cutaneous and neurological adverse effects in children. Prescrire Int 2006; 15: 182–3. MEDLINE

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