ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Praxisführung: Zur Wahl des richtigen Steuerberaters

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Praxisführung: Zur Wahl des richtigen Steuerberaters

Bandering, Michael

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Klar ist: Ein Steuerberater übernimmt nur Leistungen, für die er auch bezahlt wird. Foto: Keystone
Klar ist: Ein Steuerberater übernimmt nur Leistungen, für die er auch bezahlt wird. Foto: Keystone
Nachlässigkeit oder Falschberatung können einen Schaden verursachen, der ein Vielfaches der Honorarforderung ausmacht.

Gerade der niedergelassene Arzt weiß: Bei keinem Berufsstand zählt die persönliche Qualifikation mehr als beim Freiberufler. Denn dessen Fachkompetenz entscheidet letztlich über die Qualität der Betreuung.
Warum sollte daher der niedergelassene Arzt auf ein Testen der fachlichen Qualifikation eines anderen Betreuers, seines steuerlichen Beraters, verzichten? Seines Steuerberaters, der heute seinen Mandanten auch in der strategischen Praxisführung unterstützen sollte? Betrachtet doch der Arzt unausgesprochen den Steuerberater als Partner, der auch Probleme der Praxis sofort als solche erkennt und erforderlichenfalls seinem Mandanten unverzüglich realisierbare Lösungen vorlegt. Zumal die Politik zunehmend mit unausgereiften Konzepten dem niedergelassenen Arzt immer neue Hürden aufstellt.
Viele Ärzte übersehen, dass ein Steuerberater nur diejenigen Leistungen erbringt, für die er auch bezahlt wird. Dazu zählen häufig lediglich die Führung der Finanzbuchhaltung des Mandanten sowie das Erstellen des Jahresabschlusses. Intensive Individualberatung hingegen kostet den Steuerberater Zeit und damit den Arzt auch zusätzliches Geld. Geld, das ein wohlberufener Berater allerdings wert ist.
Der wohlberufene Steuerberater ist fachlich qualifiziert und nimmt sich auch Zeit für seinen Mandanten.
Stichwort Zeit: Bekanntlich nützt der kompetenteste Steuerberater relativ wenig, kann er nicht ausreichend Zeit für ein fundiertes Beratungsgespräch und dessen Vorbereitung aufbringen. Wozu freilich der Arzt rechtzeitig erforderliche Unterlagen und eigene Vorstellungen über Beratungsinhalt sowie Beiträge zu denkbaren Lösungsansätzen einzubringen hat.
Stichwort Fachkompetenz: Erfreulicherweise wurden in den letzten Jahren die Hürden für den erfolgreichen Abschluss der Steuerberaterprüfung kontinuierlich erhöht. Allerdings sorgten unsere Politiker entgegen eigenem Bekunden für immer kompliziertere Steuergesetze, die selbst Steuerfachleute oftmals nicht mehr voll überblicken können. So wächst die Zahl der Steuerberater, die ihr unterschiedliches steuerliches Spezialwissen in gemeinsame Sozietäten einbringen – zum Vorteil ihrer Mandanten, denen damit ein geballtes Know-how zur Seite steht. In diesen Gemeinschaftskanzleien sitzt regelmäßig zumindest ein Berater, der auch über ein abgeschlossenes betriebswirtschaftliches Studium verfügt und somit eine umfassendere Beratung anbieten kann. Betrachtet doch mancher Steuerberater alle Praxisvorgänge ausschließlich durch die Steuerbrille und verliert damit den unabdingbaren wirtschaftlichen Überblick; zum Teil auch von Steuerberatern empfohlene, kläglich gescheiterte sogenannte Steuersparmodelle beweisen es.
Vor einseitiger Betrachtungsweise sind in der Regel auch die Mandanten eines Steuerberaters außerhalb einer Gemeinschaftskanzlei gefeit, der ein betriebswirtschaftliches, zusätzlich vielleicht sogar auch ein juristisches Studium erfolgreich abgeschlossen hat.
Die Regelungswut des
Gesetzgebers
Angesichts der Regelungswut des Gesetzgebers ist der Steuerberater mehr denn je gefordert, sich über Gesetzesänderungen wie Rechtsprechung stets auf dem Laufenden zu halten, und wehe dem Mandanten, dessen Berater diese Pflichten vernachlässigt. Eine komprimierte Hilfe bietet sich dabei einem der DATEV angeschlossenen Steuerberater: durch EDV-Nachschlagewerke zum Steuerrecht, umfassende Urteilssammlungen und durch Seminare, die ihm das Tor zu betriebswirtschaftlichen Programmen neben dem Standardprogramm öffnen wie Liquiditäts-/Finanzplanung, Praxisvergleich, Praxis-Check und dergleichen mehr. So gibt in diesen Fällen die Antwort auf die Frage, inwieweit der Steuerberater auch diese Sonderleistungen anbietet, auch Auskunft über die Weiterbildungsbereitschaft des Beraters im Interesse seines Mandanten.
Vorab zu klärende Fragen
Der Laie ist gewöhnlich genauso überfordert, die fachliche Qualifikation eines Steuerberaters zu beurteilen, wie er die Kompetenz etwa eines Anwalts sicher einschätzen kann. Neben den oben bereits angesprochenen Fragen sollte man sich daher für die berufliche Vergangenheit des Steuerberaters interessieren:
- Seit wann besteht die Praxis?
- War der Praxisinhaber etwa früher beim Finanzamt (in welcher Funktion?) tätig?
- Bietet er Referenzen an?
- Wer sind gegebenenfalls die „Vorzeige-Mandanten“?
Bei Empfehlungen durch Bekannte ist deren Fachkompetenz zu beachten; denn Freundlichkeit des Beraters allein bedeutet noch lange keine Betreuungsqualität.
Das Qualifikationsproblem stellt sich bei Wirtschaftsprüfern nur selten – es sei denn, es handelt sich um eine Wirtschaftsprüfer-GmbH, die sich auf die „Begleitung“ von sogenannten Steuersparmodellen spezialisiert hat.
Für ein erstes Kontaktgespräch mit einem Steuerberater gilt:
- Der Arzt sollte vorweg klären, welche Spezialbereiche der Steuerberater abdeckt, und ob diese für seinen Bedarf von Bedeutung sind.
- Der Mandant sollte darüber hinaus überzeugt sein, mit seinem künftigen Berater auch menschlich zurechtzukommen.
- Der Aufgabenbereich des künftigen Steuerberaters ist möglichst exakt zu beschreiben.
- Es ist sinnvoll, in diesem Zusammenhang frühzeitig die (Fang-) Frage nach dem üblichen Zeitpunkt der Bilanzfertigstellung zu stellen. Denn bekanntlich geht eine frühe Bilanzablieferung positiv in das Bankenrating nach „Basel II“ ein, eine späte hingegen negativ!
- Wie viele niedergelassene Ärzte betreut er bereits? Welche?
- Soweit der Arzt dem Steuerberater ein Mandat für seinen persönlichen Bereich (Einkommensteuer!) erteilen will, wird ihm ein kompetenter Berater zum Teil recht indiskrete Fragen stellen (zum Beispiel über Familie und deren Zusammenhalt), aber auch über alle Einkommensquellen (auch aus Immobilien- wie aus Wertpapierbesitz).
- Wie erfolgt die unterjährige Mandantenbetreuung? Individuell (in der Regel eher unrealistisch) oder durch Mandantenbriefe (mit nur allgemeinen Steuerinformationen oder auf die Praxis zugeschnittene Informationen?)?
- Präsentiert der Steuerberater bereits für das Anbahnungsgespräch eine saftige Rechnung, muss sich der Arzt auf selbstbewusste Honorarforderungen in der Zukunft einstellen, bietet die Steuerberatergebühren-Verordnung doch Raum für bescheidene wie für hohe Honorare. Andererseits sollte der Arzt bedenken, dass ein wirklich guter Steuerberater sein Honorar auch wert ist; ein schlechter hingegen nicht einmal ein Minimalhonorar. Denn Nachlässigkeit oder Falschberatung des Steuerberaters verursacht einen Schaden, der ein Vielfaches der Honorarforderung ausmacht. Zumal sich etwaige Regressansprüche meist nur schwer belegen lassen (wer dokumentiert schon ein Beratungsgespräch und lässt sich anschließend das Protokoll vom Steuerberater unterschreiben?).
Vorstehende Ausführungen gelten sinngemäß sowohl anlässlich beabsichtigter Mandatserteilung wie auch einer Überprüfung einer bereits bestehenden Verbindung. Zu bedenken ist ferner, dass die vorgetragenen Kriterien zur (Über-)Prüfung einer Steuerberaterverbindung angesichts ihrer zwangsläufigen Verallgemeinerung nicht schematisch anzuwenden sind. Michael Bandering
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