ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2007Personalentwicklung für Ärzte: Alle profitieren

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Personalentwicklung für Ärzte: Alle profitieren

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-975 / B-867 / C-827

Stein, Joachim; Schinnenburg, Heike

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Foto: Vario Images
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Jährliche Personalentwicklungsgespräche verbessern die ärztliche Weiterbildung an der Urologischen Klinik des Krankenhauses Siloah.

Die Facharzt-Weiterbildung ist traditionell geprägt und hängt in der Qualität wesentlich von der Rolle des Chefarztes ab. Dies eröffnet durch hohe Flexibilität in den Kliniken zwar Chancen, beklagt wird aber von vielen Assistenzärzten, dass der Verlauf unklar ist und Fortbildungen überwiegend selbst finanziert werden müssen. Angesichts des Nachwuchsmangels kann eine sehr gute Weiterbildung einen Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter schaffen.
In der Urologischen Klinik des Krankenhauses Siloah (Klinikum Region Hannover) wurden bereits 1997 erste Projekte im Rahmen des Qualitätsmanagements initiiert, nachdem sich die ärztliche Leitung in diesem Gebiet fortgebildet hatte. Als eines der ersten Projekte wurden Ausbildungsleitlinien im Rahmen der Weiterbildung entwickelt. Ziele dieser Leitlinien waren
- die Sicherstellung des geforderten Weiterbildungskataloges und
- ein höheres Maß an Verbindlichkeit sowohl für die weiterzubildenden Ärzte als auch für die Anforderungen der Klinikleitung.
Die Leitlinien beschreiben unter anderem die Operationen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, die in den Ausbildungsabschnitten von den Ärzten durchgeführt werden sollten, und die Anzahl der Publikationen oder Vorträge, die einzureichen sind. Ziele und Verantwortlichkeiten wurden benannt, sodass schon sehr weitgehend die Vorstellungen einer systematischen Weiterbildung erfüllt waren. Dennoch gab es vor allem zwei Gründe, über Verbesserungen nachzudenken:
- Trotz der Richtlinien wurden die Ziele teilweise nicht erfüllt, weil eine konsequente Verbindlichkeit fehlte.
- Die Weiter­bildungs­ordnung der Ärztekammer Niedersachsen fordert seit Mai 2005 nach Abschluss eines „Weiterbildungsabschnittes“ mindestens ein jährliches Weiterbildungsgespräch, in dem die Fortschritte der Weiterbildungsassistenten besprochen und dokumentiert werden.
Aus dieser Situation heraus wurde ein Projekt initiiert, um für die Urologische Klinik Siloah ein transparentes und praktikables Personalentwicklungssystem zu erarbeiten. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch die Fachhochschule Osnabrück.
Mit allen Ärztinnen und Ärzten der Klinik wurden persönliche Interviews geführt, um den Bedarf festzustellen und auszuloten, wo gemeinsame Interessen und auch Konfliktpotenzial besteht. Die Ergebnisse wurden für einen ersten Konzeptvorschlag verwendet, und beides wurde in einer Dienstbesprechung vorgestellt, gemeinsam diskutiert und mit kleinen Änderungen verabschiedet.
Im Ergebnis führt nun der Chefarzt Prof. Dr. Walter F. Thon zusammen mit dem leitenden Oberarzt jährliche Personalentwicklungsgespräche mit den Mitarbeitern. Die gemeinsame Durchführung ist geeignet, den Wunsch der Mitarbeiter nach Feedback ihrer Leistung zu erfüllen. In der Dreierrunde werden Ziele vereinbart, die Klinikinteressen und persönliche Entwicklungswünsche des Arztes berücksichtigen.
Ein auf die Klinik zugeschnittener Gesprächsleitfaden steht allen Beteiligten zur Verfügung. Die Dokumentation des Gesprächs erfolgt direkt im Leitfaden, sodass die Anforderungen der Weiter­bildungs­ordnung unbürokratisch erfüllt werden können. Die persönlichen Zielvereinbarungen bleiben auf Wunsch der Weiterbildungsassistenten vertraulich. An die Ärztekammer werden nur die Daten der letzten Seite weitergegeben, die für den Weiterbildungsverlauf relevant sind.
Die jährlichen Gespräche werden nunmehr – auch dies war ein Ergebnis der Bedarfsanalyse – mit allen Ärzten (auch den Fachärzten) geführt, um eine kontinuierliche Förderung und Standpunktbestimmung zu ermöglichen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass gerade aus Sicht der individuellen Karriereplanung und der Leistungsrückmeldungen der Nutzen von den Mitarbeitern sehr hoch eingeschätzt wird. Die Klinik kann aufgrund der transparenteren Karriereplanung nun für die Zukunft eine bessere Personalplanung gestalten.
Für die Klinik bot das Projekt auch den Vorteil, Informationen über das Arbeitsklima zu erhalten. Die Mitarbeiter schilderten in den Interviews anhand von Beispielen, dass die Unterstützung der Leitung und das Klima positiv wahrgenommen werden. Die gemeinsame Diskussion zum Ergebnis des Projektes ermöglichte darüber hinaus, auch unterschiedliche Erwartungshaltungen zu klären und Regelungen für die Zukunft, zum Beispiel über die Freistellungen für Fortbildungen, zu treffen.
Das Modell lässt sich auf andere Kliniken übertragen. Voraussetzung ist jedoch das ernsthafte Bestreben der Klinikleitung, ein Klima des Vertrauens zu entwickeln, das es den Mitarbeitern ermöglicht, die Gespräche als Instrument ihrer persönlichen Entwicklung und Karriereplanung zu verstehen. Die Interessen der Klinik stehen dem nicht entgegen, sondern können offengelegt und vielfach mit den Zielen der Mitarbeiter verbunden werden.
Dr. Joachim Stein, Krankenhaus Siloah
E-Mail: Dr.med.J.Stein@t-online.de
Prof. Dr. Heike Schinnenburg, FH Osnabrück
E-Mail: Schinnenburg@wi.fh-osnabrueck.de


Der Gesprächsleitfaden

Der Leitfaden für Personalentwicklungsgespräche an der Urologischen Klinik des Krankenhauses Siloah enthält folgende Elemente:
- Feedback zu erreichten Zielen und Kompetenzen
- Vorschläge und Wünsche zur Zusammenarbeit
- Förderung und persönliche Karriereziele (Personalentwicklungsmaßnahmen)
- Ziele für das kommende Jahr
- Verbesserungsvorschläge für das Team und die Klinik
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