SUPPLEMENT: Reisemagazin

Graubünden: Abenteuer Natur

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): [8]

Mertens, Stephan

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ausflüge in den Wald, Baden im Rhein, rasante Schussfahrten auf der Rodelbahn – Disentis und Umgebung lassen bei Eltern und Kindern keine Langeweile aufkommen.

Reste von Regenwolken haben sich an einigen Stellen in den Tannen verfangen. Verwaist wirkt die Bergstation Caischavedra hoch über dem kleinen Bergdorf Disentis. Nach wenigen Hundert Metern führt ein schmaler Pfad durch dichten, steil abfallenden Nadelwald. Durch das sich in der Ferne öffnende Tal rauscht der Oberrhein vom Oberalp-Pass in Richtung Chur. Moos und Bartflechten bedecken Boden und Baumstämme. Es riecht nach Pilzen und feuchter Erde.
Mit der fünfjährigen Tochter müssen nun etwa 600 Höhenmeter durchstiegen werden. Nach kurzer Zeit verführen Blaubeeren zur ersten Rast. Die Wolkendecke bricht auf, Wasser glitzert auf dicken Moospolstern, in Tausenden von Tropfen an den Tannennadeln bricht sich das Sonnenlicht, Eichelhäher stoßen ihre Warnrufe aus. Umgestürzte, vermodernde Tannen fordern zum Klettern und Balancieren heraus.
Gold schürfen, Floß fahren, Burgen bauen: der Rhein als natürlicher Abenteuerspielplatz Fotos: Sedrun Disentis Tourismus
Gold schürfen, Floß fahren, Burgen bauen: der Rhein als natürlicher Abenteuerspielplatz
Fotos: Sedrun Disentis Tourismus
Der Abstieg ist fast geschafft. Bei der wohlverdienten Brotzeit unternimmt die Tochter ihre ersten Schnitzversuche. Weiter geht es auf weniger aufregenden Wegen durchs Tal – hauptsächlich auf den Schultern des Vaters – bis zum Appartement am Ortsrand von Disentis. In leichter Hanglage liegt die 2005 fertiggestellte Ferienanlage der Reka. Die Abkürzung steht für die gemeinnützige Schweizer Reisekasse. Die Wohnungen im Niedrigenergie-Standard sind geräumig und funktionell gestaltet. Zur Anlage gehören ein Hallenschwimmbad und ein großer Kinderspielplatz. Auch für Kinderbetreuung ist gesorgt.
Nach dem kräftezehrenden Marsch am Vortag geht es am nächsten Tag mit dem kostenfreien Zubringerbus hinunter an den Rhein. Goldschürfen steht heute nicht auf dem Programm, obwohl immer wieder von größeren Funden berichtet wird. Stattdessen stürzen sich die Kinder in das knietiefe Wasser des von Wald umgebenen Naturschwimmbeckens. Eine besondere Attraktion ist das an einem Seil befestigte Floß. Dank eifrig zupackender Kinderhände ist es hier das wichtigste Transportmittel. Geschick und Mut erfordern die Kletterseile und Baumstämme, die über dem Wasser befestigt sind.
Die Entstehung von Disentis ist eng mit der Gründung des heute noch existierenden Benediktinerklosters verknüpft. In unbewohnter Gegend hatte der fränkische Wandermönch Sigisbert dort um das Jahr 720 eine Einsiedelei errichtet. Das aus dem Lateinischen stammende Wort desertina deutet auf solch einen unbewohnten Ort hin; es verlieh dem Dorf seinen Namen. Ende des 19. Jahrhunderts erweiterten die Benediktiner das Kloster. Der etwas zu groß geratene barockisierte Bau dominiert noch heute das Bergdorf.
In diesem Teil Graubündens wird das Rätoromanische noch sehr gepflegt. Die Sprache hat sich ab dem 15. Jahrhundert aus rätischen und lateinischen Wurzeln entwickelt.
In den verschiedenen Tälern bildeten sich verschiedene Idiome heraus, die von etwa 60 000 Schweizern gesprochen werden. So regional wie die Sprache ist auch die Küche.
International agierende Frikadellenbräter haben diese Region bislang verschont. Stattdessen kann man zum Beispiel Capuns Grischuns probieren, eine Eiermehlspeise, die in Mangoldblätter eingewickelt und in Milch und Bouillon
behutsam gegart wird. Stephan Mertens

Infos: Internet: www.disentis-sedrun.ch, www.graubuenden.ch.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema