ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 1/2007Festspiele in Salzburg und Luzern: Hochkarätiges

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Festspiele in Salzburg und Luzern: Hochkarätiges

Dtsch Arztebl 2007; 104(14): [14]

Groß, Roland

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Foto: dpa
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Salzburger Festspiele (27.Juli bis 31.August)

Wie „heiter“ der „heitere Mozart“ auch immer gewesen sein mag, Salzburgs neuer Festival-Chef Jürgen Flimm kontert in der Festival-Saison 2007 mit dem Motto „Die Nachtseite der Vernunft“. Der Mozart des derzeitigen Ruhrtriennale-Chefs Flimm bleibt in diesem Jahr ziemlich außen vor, abgesehen von Wiederaufnahmen wie „Figaros Hochzeit“ und „Der Schauspieldirektor“/„Bastien und Bastienne“.
Der Vernunft Nachtseite rückt man indes besonders nahe. Jedenfalls ist Flanderns schriller Kunst-Star Jan Fabre eingeladen, unter dem Titel „Requiem für eine Metamorphose“ eine Totenmesse als Tanz-Musik-Theater zu kreieren. Flimm setzt auf Salzburger Traditionslosigkeit: Zur Aufführung kommen Haydns seltene „Armida“ (Dirigent: Ivor Bolton/Regie: Christof Loy) und Webers „Freischütz“. Populär dafür „Eugen Onegin“ von Peter I. Tschaikowski (Dirigent: Daniel Barenboim, Regie: Andrea Breth). Voll opulenter Erwartung „Benvenuto Cellini“ von Hector Berlioz (Dirigent: Valery Gergiev, Regie: Philipp Stölzl). Am Ende steht bei „Cellini“ übrigens der Papst selbst auf der Bühne und erfleht göttlichen Beistand zum Gelingen des Kunstwerks. „Beten, dass Kunst draus wird“, sagt hierzu Pastorensohn Jürgen Flimm, der in den fünf folgenden Vertrags-sommern, bis 2012, besonders mit Barenboim und Riccardo Muti zusammenarbeiten will.
Im Bereich Schauspiel gibt es mit Heiner Müllers „Quartett“ (Regie: Barbara Frey) eine Eigenproduktion der Festspiele. Der Shakespeare-Collage „Schlachten!“ soll in diesem Jahr eine Molière-Collage folgen. Der Salzburger Pianist Markus Hinterhäuser verantwortet abermals die Konzertsparte „Kontinente“, inbegriffen eine mehrwöchige Präsenz des Jugendorchesters „Westöstlicher Divan“, besetzt mit jungen israelischen und palästinensischen Musikern. Der neunteilige Zyklus „Kontinent Scelsi“ will das geheimnisumwitterte Werk Giacinto Scelsis’ (1905–1983) freilegen. Der „Jedermann“ wird überarbeitet und von Regisseur Christian Stückl neu besetzt: „Naturgemäß“, würde Thomas Bernhard vielleicht sagen, dessen Dramen-Erstling „Ein Fest für Boris“ als Koproduktion mit Düsseldorf aufgeführt wird. Internet: www.salzburgfestival.at.



Lucerne Festival (10. August bis 16. September)

Foto: Lucerne Festival
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Herkunft“ thematisiert den roten Programmfaden des diesjährigen Lucerne Festivals. Es geht dabei um musikgeschichtliche Bezüge. Spätestens mit der Gründung des Festivalorchesters durch Claudio Abbado hat das Festival sein internationales Gütesiegel erhalten. Vor allem die Moderne ist im Sommerteil des Festivals fest installiert: Pierre Boulez hat die Akademie für junge Musiker unter sich. Das Thema „Herkunft“ verbirgt sich in musikalischen Werken, die sich mit Heimat, Kindheit, Geschichte, mit Lehrern und Vorbildern beschäftigen. Volksmusik inspirierte Igor Strawinskys „Sacre du Printemps“ oder Béla Bártoks „Konzert für Orchester“. Ungarische Volksmusik prägte Werke von Peter Eötvös, Sándor Veress und György Kurtág. Volksliederthemen bestimmten die 1. und die 3. Sinfonie von Gustav Mahler. Die konzertante Aufführung von „Rheingold“ präsentiert den ersten Teil des „Herkunft“-Dramas schlechthin: Richard Wagners „Ring“. Das Silk Road Project des Cellisten Yo-Yo Ma verfolgt die musikalische Archaik der Seidenstraße. Dazu eine umfangreiche Hommage auf den im Sommer 2006 verstorbenen György Ligeti.
Abbados Festivalorchester und die Solisten Melanie Diener, Anna Larsson, Jonas Kaufmann und Reinhard Hagen eröffnen mit Beethovens 9. Sinfonie. Ebenso unter Abbados Dirigat Gustav Mahlers 3. Sinfonie. Die Berliner Philharmoniker kommen mit Simon Rattle nach Luzern: Mit Spannung erwartet man die Uraufführung des zweiten Violin-Konzerts von Sofia Gubaidulina mit Anne-Sophie Mutter. Gastieren werden auch das Boston Symphony Orchestra, die Bamberger Symphoniker, die Wiener Philharmoniker und das San Francisco Symphony Orchestra.
Unter dem Stichwort Moderne ist die Uraufführung des Auftragwerkes „Seven (Memorial for the Columbia Astronauts)“ für Solovioline und Orchester hervorzuheben – mit der Geigerin Aiko Suwanai unter Leitung von Pierre Boulez, dessen eigene Werke („Sur Incises“, „Le Marteau sans maître“) auch zur Aufführung kommen. Was ebenso Karlheinz Stockhausens „Gruppen für drei Orchester“ betrifft und im Abschlusskonzert neben der Uraufführung des Violinkonzerts von Peter Eötvös „Der Wunderbare Mandarin“ von Béla Bártok und „Stele“ von György Kurtág. Internet: www.lucernefestival.ch. Roland Groß
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