ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2007Peter Brüning: Gedankenwege

KUNST + PSYCHE

Peter Brüning: Gedankenwege

PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 146

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Die „Weltsprache des Informel“ geriet Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in eine Krise, und viele Künstler suchten neue künstlerische Wege. Peter Brüning fand dabei für sich um 1963/64 eine zeitgemäße, allgemeinverständliche und höchst eigene Bildsprache. Er griff auf kartografische Zeichen zurück, wie sie von Autoatlanten, Wander- und Wetterkarten im Fernsehen bekannt sind. Diese Zeichen für Straßenverläufe, Wegekreuzungen, Laub- und Nadelbäume, Höhenlinien, Flussläufe und Brücken wurden zum Ausgangsmaterial seiner Bilder. Was dabei auf den ersten Blick vertraut erscheint, wird beim genaueren Hinsehen unsicher, denn die bekannten Symbole ordnen sich keiner kartografischen Logik unter, sondern einer Bildidee des Künstlers.
Eine eigene Bildgruppe stellen die Gemälde auf Fotogrundlage dar: eine Szene in einer Fußgängerzone, die von einem Foto als Offsetdruck in Schwarz und Silber großformatig übertragen wurde. Menschen eilen hierhin und dorthin. Überlagert wird das Foto von sparsam gemalten Symbolen für Straßen und Schienenwege, die einem imaginären Wegeplan zu gehorchen scheinen. Auf diese Weise werden hier nun zwei Ebenen vereint, eine abbildhafte und eine abstrakte. Das Bild erscheint geradezu wie ein Anschauungsbeispiel für die Notwendigkeit, sowohl die Realität wahrzunehmen, darauf zu reagieren, als auch zwei andere Leistungen zu vollbringen: Stets müssen wir eine Abstraktion vornehmen, um Gemeinsamkeiten und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, während wir dann unsere abstrakten Konzepte in die Tat, die Wirklichkeit umsetzen müssen. Dieses Wechselspiel von Wahrnehmung, Abstraktion und Gestaltung wird uns in einer prägnanten Bildsprache vor Augen geführt.
Eine Retrospektive zu Brünings Werk findet bis zum 13. Mai im Museum für Moderne Kunst, Duisburg, statt. Hartmut Kraft


Biografie Peter Brüning
Geboren 1929 in Düsseldorf. 1950–1952 Studium an der Kunstakademie in Stuttgart bei W. Baumeister. Regelmäßige Aufenthalte in Paris, Entwicklung eines eigenen informellen Stils. Ab 1963/64 Beschäftigung mit kartografischen Zeichen, die er für Bilder, Objekte und Skulpturen verwendet. 1968 Gestaltung des „Autobahndenkmals“ an der A 1 bei Wuppertal. Teilnahme an der Documenta 4 in Kassel 1969, im selben Jahr Professur für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Gestorben 1970 in Ratingen.

Literatur:
Brüning P: Superländer und Signale. Kunsthalle, Mannheim 1971.
Otten M-L: Peter Brüning – Studien zu Entwicklung und Werk. Werkverzeichnis. Wienand, Köln 1988.
Otten M-L: Peter Brüning – Das zeichnerische Werk. Wienand, Köln 1997.
Otten M-L., Smerling W: Peter Brüning – Retrospektive. Wienand, Köln 2007.
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