ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2007Willensfreiheit: Nicht zum Verständnis beigetragen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Beitrag greift ein wichtiges Thema auf, lässt aber die wirklich bedeutsamen Arbeiten zur Thematik – etwa die von Rennett und Hacker („Philosophical Foundation of Neurosience“) – unberücksichtigt. Nicht zuletzt der sogenannte Lösungsansatz von Searle ist Schnee von gestern und bleibt einem modischen und derzeit allgegenwärtigen wissenschaftlichen Materialismus verhaftet. Bennett verweist darauf, dass die sogenannten Probleme der Hirnforschung nicht im Gehirn, sondern in der Neurowissenschaft mit ihren philosophischen Grundannahmen liegen. Hier sind doch ganz andere Reflexionen nötig, etwa dergestalt, wie sie von D. Sturma vorgenommen werden („Philosophie und Neurowissenschaft“).
Die Wahrheit ist: Die Gehirnforschung weiß noch nicht einmal, was ein Gedanke ist; noch viel weniger hat sie bisher zum Verständnis komplexer psychisch/geistiger Phänomene wie demjenigen der Willensfreiheit beigetragen. Mit einer einfachen Ja-Nein Option (Motto: Strom ein – Strom aus...) kann diesem Phänomen nicht entsprochen werden. Gar Konsequenzen für die Strafverfolgung nach dem heutigen Wissensstand anzusprechen, ermangelt meines Erachtens der wissenschaftlichen Nüchternheit und gebotenen Bescheidenheit (K. Popper würde sich im Grab umdrehen).
Dr. Walter Haag, Kiefernweg 4 a, 85080 Gaimersheim

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote