ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2007Recherche zu hyperkinetischen Störungen: Häufigste psychische Störung bei Kindern

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Recherche zu hyperkinetischen Störungen: Häufigste psychische Störung bei Kindern

PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 173

Eichenberg, Christiane

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Hyperkinetische Störungen (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, ADS; Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung, ADHS) stellen mit einer Prävalenz zwischen drei und fünf Prozent im Kindesalter die häufigsten psychischen Störungen in dieser Altergruppe dar (1). Zu den Leitsymptomen zählen nach ICD-10 Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Derzeit fehlen zwar noch verlässliche epidemiologische Untersuchungen zur Prävalenz der ADHS im Erwachsenenalter, auf der Grundlage der Verlaufszahlen ist jedoch nach konservativen Schätzungen von etwa ein Prozent auszugehen (2).
www.bzga.de/bzga_stat/pdf/11090100.pdf
www.bzga.de/bzga_stat/pdf/11090100.pdf
Informationen für Fachkreise
Als erste Anlaufstelle für wissenschaftliche Informationen dienen die Onlinepräsenzen von universitären Einrichtungen. So stellt das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), Mannheim, seine Arbeitsgruppe „ADHS im Erwachsenenalter“ (www.zi-mannheim.de/ adhs_erw.html) vor. Neben wissenschaftlichen Projekten werden auch die bisherigen Publikationen seit den Jahren 2003 aufgelistet. Das ZI engagiert sich auch im Kinder- und Jugendbereich. So gibt es auch eine Arbeitsgruppe für Kinder und Jugendliche (www.zi-mannheim.de/ 1224.html). Über weitere Forschungsprojekte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu diesem Störungsbild informieren zum Beispiel die Unikliniken in Köln (www.kjp-uni-koeln.de/ fgrup_adhs.php), Frankfurt (www.kgu.de/ zpsy/ kinderpsychiatrie/ forschung/projekte.html) und Würzburg (www.klinik.uni-wuerzburg.de/ deutsch/ Einrichtungen/ content.html = Kinder- und Jugendpsychiatrie).
Eine „Erkundungsstudie zum Einsatz von Lernsoftware bei Kindern mit Hyperaktivität“ wurde von LifeTool – einer gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft der Diakonie Österreich und ARC Seibersdorf Research GesmbH mit Sitz in Linz – durchgeführt (www.lifetool.at/ rte/ upload/ 6_Fachforum/ lernsoftware_bei_kindern_mit_hyperaktivitaet.pdf). Das Projekt sollte Hinweise darauf geben, welchen Einfluss Lernsoftware auf das Verhalten hyperaktiver Kinder hat. Die bisherigen Beobachtungen zeigten, dass insbesondere hyperaktive Kinder von Computerspielen fasziniert sind und sich auch einige Zeit fesseln lassen würden. Die sonst so unaufmerksamen und motorisch unruhigen Kinder können plötzlich ruhig und aufmerksam den Spielen folgen und sich lange konzentrieren, so das Fazit der Studie.
„Neurobiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung“, eine Studie von Prof. Krause, Uni München (www.hyperaktiv.de/ forschung/ neurobiologie.pdf) oder „Train your brain – Neurofeedback für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ (http://w210.ub.uni-tue bingen.de/ dbt/ volltexte/ 2004/ 1456/ pdf/ Diss_gesamt.pdf), eine Dissertation an der Universität Tübingen, sind weitere wissenschaftliche Ressourcen, die im Netz frei zugänglich sind.
Das Ziel des National Institutes of Health (NIH) Consensus Statement besteht darin, die biomedizinische Forschung wie die klinische Praxis über die Ergebnisse der NIH Consensus Development Conference im Bereich der Diagnostik und Behandlung der ADHS aufzuklären (http://consen sus.nih.gov/ 1998/ 1998AttentionDeficitHyperactivityDisorder110html.htm).
Weitere englischsprachige, kommentierte Links, die ein breit gefächertes Spektrum abdecken, findet man bei Medline Plus, einem Service der U.S. National Library of Medicine und den National Institutes of Health. (www. nlm.nih.gov/ medlineplus/ attentiondeficitdisorderwithhype
www.ag-adhs.de
www.ag-adhs.de
r activity.html).
Das Internet bietet auch Informationen im Bereich der Diagnostik. So dienen die Leitlinien „ADHS im Erwachsenenalter“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde dazu, die Voraussetzungen für die Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter und die Mindestanforderungen für eine valide Diagnosestellung zu formulieren und die daraus abzuleitenden Therapien anzugeben (www.dgppn.de/ leitlinien/ pdf/adhs_erwachsen.pdf). Die Leitlinien „Hyperkinetische Störungen“ der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (www.uni-duesseldorf.de/ WWW/ AWMF/ll/ 028-019.htm) klären über Klassifikation, störungsspezifische Diagnose, multiaxiale Bewertung und Intervention auf.
Der Bundesverband Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität (http:// bv-ah.nanugruppe.de/ index.php) stellt auf seiner Homepage die englischsprachigen Leitlinien „European clinical guidelines for hyperkinetic disorder – first upgrade“ oder „A systematic review and European treatment guideline“ als PDF-Dateien zur Verfügung.
Der Leitfaden „Diagnostik und Therapie bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung)“ ist auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung der Kinder- und Jugendärzte e.V. (www.ag-adhs.de) abrufbar. Wer sich für eine Fortbildung im Bereich ADHS interessiert, findet hier entsprechende Termine. Literaturempfehlungen und eine Linksammlung erweitern das Angebot.
„Diagnose statt Verständnis: Die Krankheit ADHS als kulturelles Artefakt. Eine phänomenologische Annäherung“ ist in dem Organ „Heilpädagogik online“, einer Fachzeitschrift im Internet, erschienen (www. heilpaedagogik-online.com).
Informationen für Betroffene und Angehörige
Dass eine Diagnosestellung auch auf die aktive Mithilfe der Umwelt gestützt ist, zeigt das ADHS-Monitoring (www.ads-monitoring.de/intro.html), ein Internetprogramm zur Verlaufsbeobachtung für Eltern mit verhaltensauffälligen Kindern. Es soll die Beobachtungen von Eltern, Lehrern und Ärzten zusammenführen. Das ADS-Zentrum (www.ads-zentrum.de) offeriert kosten-pflichtige Screening-Instrumente. Seriöserweise sind diese mit dem Hinweis versehen, keinesfalls eine professionelle Beratung oder Behandlung durch fachkundige Ärzte zu ersetzen.
Die Abteilung für Psychologie der Universität Bielefeld erläutert Ursachen, Diagnostik und Therapie von ADHS und gibt Tipps zum Umgang mit einem von ADHS betroffenen Kind heraus (www.uni-biele feld.de/ psychologie/ ae/ AE09/ bera tungsstelle/ adhs.html)
ADD-Online (www.adhs.ch) ist eine medizinisch-psychologisch fundierte Seite, die umfangreiche Informationen zu den Themen Diagnose und Therapie enthält. Im Elternratgeber werden häufig gestellte Fragen beantwortet und konkrete Verhaltenstipps gegeben. Per E-Mail können weitere Fragen an die Autoren der Seite gestellt werden. Weiterhin sind Beiträge und Diskussionen über Therapieformen der ADHS (unter anderem zur Pharmakotherapie) nachvollziehbar dargestellt und mehrere Fragebögen zur privaten Nutzung gegen einen Unkostenbeitrag zugänglich. In einem Forum können sich Betroffene in den Kategorien „Veranstaltungen & Selbsthilfe“, „ADHS bei Kindern/Jugendlichen“, „ADHS bei Erwachsenen“ oder in einem „ADHS-Frauen-Forum“ austauschen.
Eine frauenspezifische Kommunikationsplattform gibt es auch bei ADS-Frauen.de (www.ads-frauen. de), einer Website von Frauen für Frauen.
Im Bundesverband Arbeitskreis überaktives Kind (www.auek.de) sind Selbsthilfegruppen organisiert, die die Belange von hyperaktiven Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vertreten wollen. Auf der assoziierten Homepage werden eine Linksammlung rund um das Thema vorgestellt sowie Literaturempfehlungen und Veranstaltungshinweise ausgesprochen. Mitglieder erhalten vierteljährlich und kostenfrei die Vereinszeitschrift „Akzente“.
Die Bundes­ärzte­kammer präsentiert auf ihren Seiten die Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“, die als Kurz- und Langfassung abgerufen werden kann. Ein Fragen-Antwort-Katalog soll Wissenslücken schließen (www.bundesaerzte kammer.de/ 30/ Richtlinien/ Empfidx/ ADHS). Die Zusammenfassung eines Interviews mit Dr. med. Sabine Dörning, Assistenzärztin in einer Münchner Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Mutter von zwei ADHS-Kindern hat der Bayerische Rundfunk aufbereitet (www. br-online.de/umwelt-gesundheit/ thema/adhs/).
Der TV-Sender 3sat fasst zusammen, wie an der Universität Frankfurt „Ein Computerspiel als Therapie für Kinder mit ADHS“ (www. 3sat.de/ nano/ cstuecke/ 88207/ index.
html) eingesetzt wird. Ziel ist es, die betroffenen Kinder durch Neurofeedback bei ihrer Krankheitsbewältigung zu unterstützen.
Bei dem Gesundheitsportal Medizinfo werden pharmakologische Behandlungsansätze laiengerecht vermittelt (www.medizinfo.de/ kinder/ probleme/ ads.htm). Durch die medikamentöse Indikation bei ADHS präsentierten sich auch Pharmaunternehmen im Internet. Bei „Mehr vom Tag, mehr vom Leben“ (www. mehr-vom-tag.de), ein Homepageprojekt von Janssen-Cilac, einer Tochtergesellschaft des Healthcare-Konzerns Johnson & Johnson, wird zum Beispiel thematisiert, welche Folgen eine unbehandelte ADHS haben kann; ein Lexikon erläutert Abkürzungen und Fachbegriffe.
Wer sich gern audiovisuell aufklären möchte, kann sich bei Lily Pharma einen Videofilm über ADHS mit einer Dauer von ungefähr 16 Minuten ansehen (www.info-adhs. de). Mehrere Broschüren können heruntergeladen werden, die Tipps für Eltern oder Lehrer zusammenfassen.
Weitere Links zu „Medikamentöse Behandlung bei Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und Hyperaktivität“ (www.bildungsserver.de/ zeigen.html?seite=3685) stellt der Deutsche Bildungsserver bereit.
Der ADHS-Behandlungswegweiser für NRW (www.gesundheit.nrw.de/content/e16/e1150/index_ger.
html) enthält Informationen zu Behandlung und Behandlungsanbietern. Hier findet man eine Vielzahl von therapeutischen Anlaufstellen in NRW. Eine weitere Onlinebroschüre bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www. bzga.de/ bzga_stat/ pdf/ 11090100.pdf) an.
Hilfsangebot zur Erziehung
Das Institut für Sonderpädagogik der Universität Würzburg stellt unter anderem die Entwicklung und den Verlauf der Störung sowie die multimodale Therapie vor. Eltern können sich anhand der präsentierten Leitlinien über den Umgang zu Hause orientieren (www.intakt.info/ information/ adhs.htm). Das Angebot ADHS-Parenting (www.ads-monito ring.de/ parenting/ index.php) stellt ein internetbasiertes Hilfsangebot zur Erziehung bei Kindern mit ADHS zur Verfügung. Eine Online-schulung kostet 15 Euro.
Die Universität Essen bietet Elternkurse an, die zwölf Sitzungen à 90 Minuten umfassen und in meist 14-tägigen Abständen stattfinden. Die Ziele liegen in der Aufklärung, in der Stärkung der elterlichen Kompetenzen und Fähigkeiten, im angemessenen Reagieren auf problematische Verhaltensweisen und darin, den Umgang mit immer wiederkehrenden Konfliktsituationen zu lernen. Zudem soll ein Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen stattfinden (www.uni-essen.de/ kjp/ html/ adhs_elternkurs.html).
Eine Vielzahl an Erfahrungsberichten gibt es bei der ads-gruppe.de (www.ads-gruppe.de). Von der Elterngruppe Frankfurt a. M. ins Leben gerufen, will die Seite ADS-Hyperaktivität (www.ads-hyperaktivitaet.de) sowohl informieren als auch unterstützen. Eltern betroffener Kinder finden auf den Informationsseiten Online-Artikel über ADHS sowie zahlreiche Adressen bundesweiter Elterngruppen. Das Forum verstehen die Autoren als Elternselbsthilfegruppe, betroffene Erwachsene sind aber ebenso willkommen. Im kommentierten Literaturverzeichnis wird ein Überblick über Publikationen gegeben. Ein Veranstaltungskalender informiert über bundesweite Termine.
Ein Forum und einen Chat stellt auch die Elterninitiative zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom zum Austausch bereit (www.ads-ev.de/index. php?id=9).
Auch niedergelassene Ärzte engagieren sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit im Netz. So zum Beispiel Dr. med. Klaus-Ulrich Oehler, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Arzt für Kinder- und Jugend-psychiatrie, Psychotherapie, der häufige Fragen zur Behandlung mit Stimulanzien (Ritalin oder DL-Amphetamin) beantwortet (www.dr-oehler.de/Stimulantien-Ritalin.htm). Prof. Dr. Volker Faust bereitet zum Thema ADHS im Erwachsenenalter Informationen auf und stellt Literatur zusammen (www.psychosoziale-gesundheit.net/ bb/ 05adhs. html).
Über die Definition, Häufigkeit, Historie und auch Begleitsymptomatik, wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche/Dyskalkulie oder Konzentrationsschwäche, berichtet Dr. Nicolas Gumpert (www. dr-gumpert.de/ html/ adhs.html).
Detailliertes Aufklärungsmaterial findet man auch bei Neuro24, der Internetseite von Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie sowie für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse (http:// neuro24.de/ hyperkinet.htm).

Literatur
1. Lehmkuhl G, Döpfner M: Hyperkinetische Störungen. Kinderheilkunde 2002; 2: 157–63.
2. Retz W, Pajonk F-G, Rösler M: Eine Aufgabe für die psychiatrische Forschung und Krankenversorgung – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter. Psychoneuro 2003; 29: 527–31.

Anschrift der Verfasserinnen
Dr. Christiane Eichenberg, Dipl.-Psych.,
Kareen Portz, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln,
Höninger Weg 115, 50969 Köln,
E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de,
Internet: www.christianeeichenberg.de
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