ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2007Transkulturelle Psychiatrie: Irritation nicht wegdeuten

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Transkulturelle Psychiatrie: Irritation nicht wegdeuten

PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 188

Gerlach, Alf

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Mehr und mehr sind Psychotherapeuten in ihrer täglichen Praxis auch mit Patienten konfrontiert, die in einem fremden Kulturkreis aufgewachsen sind oder einen multikulturellen Hintergrund mitbringen, der ihr Fühlen, Denken und ihre Handlungsimpulse entscheidend mit beeinflusst. Es ist deshalb ein verdienstvolles Unterfangen, psychiatrische Fragestellungen transkulturell zu denken und zu diskutieren und psychotherapeutische Methoden in ihren interkulturellen Bezügen und Besonderheiten zu untersuchen. Dabei verfolgen die Herausgeber – vor dem Hintergrund einer interdisziplinären Zusammenarbeit im Bereich der Gemeindepsychologie und der ethnopsychiatrischen Praxis – mit dem Band zwei Ziele: Sie möchten Studierenden, Wissenschaftlern und klinisch Tätigen einen neuen, multiperspektivischen Blick auf die transkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie ermöglichen. Sie möchten zudem einer an internationalen Maßstäben orientierten Weiterbildungskonzeption für Psychiater und Psychotherapeuten gerecht werden, indem die einzelnen Beiträge mit farblich hervorgehobenen Zusammenfassungen auch einen Lehrbuchcharakter bekommen.
Nach einem einführenden Überblick über die Themen Kultur, Transkulturalität und Identität aus psychologischer, kulturwissenschaftlicher, psychoanalytischer und ethnopsychoanalytischer Perspektive findet man in den folgenden Aufsätzen Vertiefungen, die in der Regel mit Beispielen aus interkultureller Psychiatrie und Psychotherapie sehr praxisnah angereichert sind. Hier werden nicht nur Therapieansätze für Migranten vorgestellt, sondern es werden auch traditionelle Heilformen aus einer transkulturellen Perspektive heraus untersucht und Konzepte von Gesundheit, Krankheit, Identität und Religiosität im kulturellen Vergleich dargestellt. Dabei haben es die Herausgeber verstanden, auch fremdsprachige Autoren in diese Arbeit einzubinden, wodurch vor allem die Ansätze französischer Ethnopsychiater und Ethnopsychoanalytiker, aber auch solche von Forschern aus Afrika und den Vereinigten Staaten zur Darstellung kommen.
Dem Buch ist eine weite Verbreitung zu wünschen. Es kann Forschern wie Praktikern helfen, die in der transkulturellen Psychiatrie und Psychotherapie auftretenden Irritationen und Faszinationen nicht wegzudeuten, sondern als notwendige Bestandteile der Situation zu verstehen und in Erklärungsansätze zu integrieren. Alf Gerlach

Ernestine Wohlfart, Manfred Zaumseil (Hrsg.): Transkulturelle Psychiatrie – Interkulturelle Psychotherapie. Interdisziplinäre Theorie und Praxis. Springer, Heidelberg, 2006, 420 Seiten, gebunden, 69,95 €
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